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Wettbewerbsfotos aus dem Libanon hängen nun im Ulmer Hof

Für die „Kleine-Fächer-Woche“ an der KU initiierte die Stiftungsprofessur in enger Abstimmung mit der Forschungsstelle Christlicher Orient im Herbst 2019 einen Fotowettbewerb zum Thema „Zeitenwende in der Zedernrepublik – Das Christentum im Libanon zwischen Dauer und Wandel“. Die eingereichten Fotografien wurden im Frühjahr 2020 während einer Ausstellung in der ehemaligen Johanniskirche gezeigt. Nun haben sie einen Platz im Ulmer Hof gefunden.

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Für den Wettbewerb erfolgte an verschiedenen Universitäten und Partnerinstitutionen im Libanon eine entsprechende Ausschreibung. Hervorzuheben ist dabei die Université Saint-Esprit in Kaslik, nördlich von Beirut, in Trägerschaft der maronitischen Kirche. Die KU pflegt bereits seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit der USEK. Zu nennen ist ferner auch die Universität Balamand, Trägerin ist hier das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Antiochien. Mit dem dortigen Institut für Digital Humanities wurde ein Projekt zu syrischen Handschriften realisiert.

Junge christliche Libanesinnen und Libanesen waren aufgefordert, ihre Glaubenswelt fotografisch festzuhalten. Dabei sollten vor allem die Fragen nach der reziproken Beeinflussung von Alltag und Glaube im Vordergrund stehen: Wie beeinflusst der christliche Glaube meinen Tagesablauf? Wo wird mein Glaube im Alltag sichtbar? Des Weiteren wurde nach interreligiösen Aspekten gefragt. Aber nicht nur an die Begegnung mit dem Islam war dabei gedacht. Eine Darstellung des Libanon wäre unvollständig ohne die Berücksichtigung des spannungsreichen Kontaktfeldes Religion – Politik/Staat. Kreative Fotografien von Architektur, Devotionalien, Liturgie, Ritualen und vielem mehr waren vorstellbar.

Die Bilder zeigen die von Studierenden verschiedenster Fachrichtungen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitäten und auch professionellen Fotografen eingereichten Beiträge. Das Spektrum reicht von Porträts charismatischer Einzelpersönlichkeiten über Landschaftsbilder, auf denen Klöster als Pilgerziele abgelichtet sind, bis hin zu Aufnahmen des privaten, interreligiösen „Herrgottswinkels“.

Gezeigt wird auch das Gewinnerfoto des Wettbewerbs, das mit einem Preisgeld ausgezeichnet wurde. Es stammt von Nouhad Kamel, Master-Student der Englischen Sprach- und Literaturwissenschaften in Kaslik. Er hat seine Fotografie überschrieben mit dem Titel „Things Fall Apart“. Inmitten der politischen Unruhen im Libanon blickt der Heilige Charbel – der maronitische Mönch aus ärmlichen Verhältnissen ist der Nationalheilige – über sein Volk, das auf die Straße geht, um gegen die grassierende Korruption und Ungerechtigkeit zu protestieren. Im Hintergrund stehen bedrohlich die Türme der Zouk Power Station, der größten Stromfabrik des Landes, die ihre giftigen Dämpfe in die Atmosphäre entlassen. Die Verbindung des regional-politischen Themas – die seit 2019 anhaltenden Proteste im Libanon – und der weltpolitisch diskutierten Umweltverschmutzung mit einer selbstverständlichen Religiosität bewogen zur Entscheidung, dieses Bild auszuzeichnen.

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