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Rückblick zu den 1. Ingolstädter Transformationsgesprächen

Ingolstädter Transformationsgespräche
© KI-generiert

Wie werden die Menschen in Ingolstadt und der Region künftig leben, arbeiten und wirtschaften? Welche Rolle kann die Automobilindustrie dabei spielen und welche neuen Perspektiven braucht es darüber hinaus? Bei den 1. Ingolstädter Transformationsgesprächen brachte die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft zusammen. Deutlich wurde: Die Transformation der Region kann nur als Gemeinschaftsaufgabe gelingen.

Am 15. Juli 2026 luden die School of Transformation and Sustainability der KU, die IFG Ingolstadt und Transform.10 erstmals zu den Ingolstädter Transformationsgesprächen in das Georgianum ein. Das Programm verband wissenschaftliche Analysen, Perspektiven der Wirtschaft und Impulse zur Stadt- und Regionalentwicklung mit einer abschließenden Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung verstand sich dabei ausdrücklich nicht als Präsentation fertiger Lösungen, sondern als Auftakt für einen längerfristigen Dialog über die Zukunft Ingolstadts. 

Transformation ist mehr als technischer Wandel

Wie komplex die Herausforderungen sind, zeigten Masterstudierende des Studiengangs „Transformation und nachhaltige Lebensraumentwicklung“. Ein Semester lang hatten sie 15 Automobilstandorte in Deutschland, Europa und darüber hinaus untersucht – darunter Emden, Dingolfing, Stuttgart, Turin, Chemnitz, Wrocław, Tanger und Yokohama. Aus den Fallstudien leiteten sie sieben zentrale Themenfelder ab: Pfadabhängigkeit und Verwundbarkeit, globale Einbettung und lokale Mitgestaltung, Diversifizierung, Stadtraum und Mobilität, neue Narrative sowie die Fähigkeit von Städten, Veränderung institutionell und partizipativ zu gestalten. 

Die internationalen Beispiele machten deutlich, dass selbst eine technologisch erfolgreiche Umstellung keine dauerhafte Sicherheit garantiert. Entscheidend bleibt, welche Aufgaben und Kompetenzen ein Standort im internationalen Wettbewerb übernimmt, wie breit seine wirtschaftliche Basis ist und ob es gelingt, industrielle Stärke in neue Zukunftsfelder zu übersetzen.

Für Ingolstadt bedeutet das: Die Resilienz der Region darf nicht allein von der Entwicklung eines einzelnen großen Unternehmens abhängen. Notwendig ist ein widerstandsfähiges Ökosystem, das auch mittelständische Unternehmen, Start-ups, Hochschulen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie soziale und kulturelle Akteure einbezieht. 

Große Herausforderungen – aber auch besondere Chancen

Christine Völzow von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft beleuchtete die Automobilindustrie im Spannungsfeld technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Trends. Sie verwies unter anderem auf den internationalen Wettbewerb, hohe Energiepreise, den Ausbau der Infrastruktur, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sowie das gleichzeitige Nebeneinander von Stellenabbau und Fachkräftemangel.

Zugleich besitzt Ingolstadt nach den vorgestellten Analysen überdurchschnittliche Zukunftschancen. Dazu tragen eine starke Forschungslandschaft, die hohe Zahl an Studierenden, moderne digitale Infrastruktur und Kompetenzen in den Bereichen Elektrifizierung, Vernetzung und Automatisierung bei. 

Prof. Dr. Georg Rosenfeld, Vorstand der IFG Ingolstadt, ordnete die aktuelle Situation unter dem Titel „Transformation war immer“ in die Entwicklungsgeschichte der Region ein. Denn Ingolstadt hat bereits mehrfach tiefgreifende Veränderungen erlebt – von der Festungs- und Eisenbahnstadt über den Erdölstandort bis hin zur Automobilstadt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob sich die Stadt verändern wird, sondern wie bewusst, vorausschauend und gemeinsam sie diesen Wandel gestaltet.

Einen bewusst zugespitzten Blick eröffnete Hochschullehrer und Sachbuchautor Timo Daum mit seiner Keynote „Ist eine Zukunft jenseits des Autos denkbar?“. Sein Impuls lenkte die Aufmerksamkeit über den Austausch der Antriebstechnologie hinaus auf das gesamte Mobilitätssystem und die Gestaltung des öffentlichen Raums. Eine Stadt der Mobilität müsse auch eine neue Mobilitätskultur entwickeln, in der öffentlicher Verkehr, Rad- und Fußverkehr, Erreichbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe zusammengedacht werden.

Die automobile Kompetenz in eine breitere Zukunftsagenda übersetzen

Ingolstadt könne ein „Zukunftslabor der Transformation“ werden, so ein zentrales Ergebnis des Nachmittags. Voraussetzung sei, dass die Stadt ihre automobile Stärke nicht lediglich verteidigt, sondern in eine umfassendere Zukunftsagenda einbettet. Dazu gehören Wissen und Bildung, Beteiligung, Mobilitätswende, Stadtraumqualität, Diversifizierung, Kultur, Tourismus und regionale Verantwortung. 

Neue Perspektiven können unmittelbar aus den vorhandenen Kompetenzen entstehen: etwa in den Bereichen Software und künstliche Intelligenz, Batteriewissen, Kreislaufwirtschaft, Mobilitätsdienstleistungen, Gesundheit oder nachhaltige Stadtentwicklung. Es geht dabei nicht darum, die Industrie durch Tourismus oder Kultur zu ersetzen. Vielmehr können diese Bereiche die industrielle Kompetenz ergänzen, die Attraktivität des Lebensraums erhöhen und eine breitere Zukunftserzählung für Ingolstadt ermöglichen.  

Gemeinsames Verständnis als Ausgangspunkt

Die abschließende Diskussion „Ingolstadt – Quo vadis?“ zeigte, dass es einen großen Bedarf gibt, über die Zukunft der Region über institutionelle und fachliche Grenzen hinweg zu sprechen. Transformation gelingt nicht durch einzelne Maßnahmen oder Akteure. Sie setzt ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen voraus, aus dem konkrete und miteinander abgestimmte Handlungsoptionen entstehen.

Die KU kann hierzu Entwicklungen wissenschaftlich analysieren, internationale Erfahrungen zugänglich machen und einen neutralen Raum für unterschiedliche Interessen bieten. Gleichzeitig können Studierende im Rahmen von Forschungs- und Praxisprojekten unmittelbar an Fragestellungen der Region arbeiten und neue Perspektiven eröffnen.

Die 1. Ingolstädter Transformationsgespräche waren damit kein Abschluss, sondern ein Anfang. Sie machten deutlich: Ein Zurück zu den bisherigen Verhältnissen wird es nicht geben. Die Region verfügt jedoch über das Wissen, die industrielle Kompetenz und die gesellschaftlichen Ressourcen, um ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

Weitere Berichte dazu finden Sie hier: 

TV Ingolstadt

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