Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban im August 2021 ließ sich Rasuli in den Vereinigten Staaten nieder, wo sie ein Stipendium erhielt, um ihre juristischen Fachkenntnisse am College of William and Mary in Virginia zu vertiefen. Sie setze sich weiterhin für die Rechte der Frauen in Afghanistan ein, denen es mit wenigen Ausnahmen untersagt ist, zu arbeiten, zu studieren oder zu reisen, so der AK Shalom. Rasuli habe ihre Unterstützernetzwerke ausgebaut und führe Fortbildungsworkshops für junge Anwältinnen und Anwälte durch, um auf die erbärmliche Lage der Frauenrechte in Afghanistan aufmerksam zu machen.
„Die Verschlechterung der politischen Lage in Afghanistan hat mir das Herz gebrochen“, sagt Rasuli. „Aber was mir Hoffnung gibt, ist der Anblick junger Menschen, die etwas verändern, die sich dafür einsetzen. Ihr Mut erfüllt mich mit Zuversicht. Eines Tages werden diese Frauen das neue Gesicht Afghanistans sein.“
Der AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden zeichnet Humaira Rasuli für ihren mutigen Einsatz aus. Das Preisgeld erhält eine Organisation in Afghanistan, die von Frauen geleitet wird. Aufgrund von Sicherheitsbedenken könne der der Organisation jedoch nicht öffentlich genannt werden, so der AK Shalom. Mit einem Team aus psychosozialen Beraterinnen arbeite die Organisation in mehreren Provinzen Afghanistans. Dort bietet sie Unterstützung für Frauen und Mädchen an, die unter den Folgen von Gewalt, Trauma und schwierigen Lebensbedingungen leiden. In Beratungszentren, die unter anderem in öffentlichen Gesundheitszentren angesiedelt sind, erhalten Betroffene individuelle und gruppenbasierte Begleitung. Ziel ist es, Frauen dabei zu helfen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihre psychische Stabilität zu stärken. Darüber hinaus begleitet die Organisation Frauen auch während medizinischer Behandlungen in Krankenhäusern und unterstützt sie in akuten Krisensituationen. Ergänzend dazu organisiert die ausgezeichnete Organisation Gruppenangebote, im Rahmen derer Frauen Informationen zu Gesundheit, Selbstfürsorge sowie praktische Unterstützung im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen erhalten.
Humaira Rasuli lebt im Exil, arbeitet jedoch weiter eng mit ihrem Team in Afghanistan zusammen und engagiert sich international dafür, dass die Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan sichtbar bleibt. Sie zeige mit ihrem Einsatz großen Mut, sagte Ulrike Schurr-Schöpfel, Sprecherin des Arbeitskreises Shalom. “Gerade in einer Zeit, in der die Gleichstellung von Frauen weltweit unter Druck steht und grundlegende Rechte vielerorts infrage gestellt werden, ist ihr Engagement ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung und der Menschlichkeit.”