Eichstätter Shalompreis geht an afghanische Menschenrechtsaktivistin Humaira Rasuli

Der Arbeitskreis Shalom verleiht seinen Shalompreis in diesem Jahr an die afghanische Menschenrechtsaktivistin Humaira Rasuli. Die Anwältin hat sich auf Menschenrechte und die Stärkung von Frauen spezialisiert. Sie setzt sich dafür ein, dass Taten geschlechtsspezifischer Gewalt geahndet, Hindernisse für die Beschäftigung von Frauen beseitigt und Unterstützungsnetzwerke für Frauen in Not geschaffen werden. Die Preisverleihung findet am 14. Juni in Eichstätt statt.

Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban im August 2021 ließ sich Rasuli in den Vereinigten Staaten nieder, wo sie ein Stipendium erhielt, um ihre juristischen Fachkenntnisse am College of William and Mary in Virginia zu vertiefen. Sie setze sich weiterhin für die Rechte der Frauen in Afghanistan ein, denen es mit wenigen Ausnahmen untersagt ist, zu arbeiten, zu studieren oder zu reisen, so der AK Shalom. Rasuli habe ihre Unterstützernetzwerke ausgebaut und führe Fortbildungsworkshops für junge Anwältinnen und Anwälte durch, um auf die erbärmliche Lage der Frauenrechte in Afghanistan aufmerksam zu machen.

„Die Verschlechterung der politischen Lage in Afghanistan hat mir das Herz gebrochen“, sagt Rasuli. „Aber was mir Hoffnung gibt, ist der Anblick junger Menschen, die etwas verändern, die sich dafür einsetzen. Ihr Mut erfüllt mich mit Zuversicht. Eines Tages werden diese Frauen das neue Gesicht Afghanistans sein.“

Der AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden zeichnet Humaira Rasuli für ihren mutigen Einsatz aus. Das Preisgeld erhält eine Organisation in Afghanistan, die von Frauen geleitet wird. Aufgrund von Sicherheitsbedenken könne der der Organisation jedoch nicht öffentlich genannt werden, so der AK Shalom. Mit einem Team aus psychosozialen Beraterinnen arbeite die Organisation in mehreren Provinzen Afghanistans. Dort bietet sie Unterstützung für Frauen und Mädchen an, die unter den Folgen von Gewalt, Trauma und schwierigen Lebensbedingungen leiden. In Beratungszentren, die unter anderem in öffentlichen Gesundheitszentren angesiedelt sind, erhalten Betroffene individuelle und gruppenbasierte Begleitung. Ziel ist es, Frauen dabei zu helfen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihre psychische Stabilität zu stärken. Darüber hinaus begleitet die Organisation Frauen auch während medizinischer Behandlungen in Krankenhäusern und unterstützt sie in akuten Krisensituationen. Ergänzend dazu organisiert die ausgezeichnete Organisation Gruppenangebote, im Rahmen derer Frauen Informationen zu Gesundheit, Selbstfürsorge sowie praktische Unterstützung im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen erhalten.

Humaira Rasuli lebt im Exil, arbeitet jedoch weiter eng mit ihrem Team in Afghanistan zusammen und engagiert sich international dafür, dass die Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan sichtbar bleibt. Sie zeige mit ihrem Einsatz großen Mut, sagte Ulrike Schurr-Schöpfel, Sprecherin des Arbeitskreises Shalom. “Gerade in einer Zeit, in der die Gleichstellung von Frauen weltweit unter Druck steht und grundlegende Rechte vielerorts infrage gestellt werden, ist ihr Engagement ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung und der Menschlichkeit.”

Preisträger
Carmen Rocío Murillo und Marvin Castro von der Organisation Casa Social Cultural y Memoria in Buenaventura bei der Preisverleihung

Neben der neuen Preisträgerin gab der AK Shalom auch die Summe für die im vergangenen Jahr vergebene Auszeichnung bekannt: Für die "Casa Social Cultural y Memoria", ein Friedensprojekt in Kolumbien, wurden demnach 32.000 Euro zusammengetragen. Ein Sprecher der Organisation in Buenaventura zeigte sich dankbar für die Unterstützung und die damit verbundenen Möglichkeiten. Durch die Spendengelder könne die Arbeit der Casa Social Cultural y Memoria deutlich gestärkt werden. Ziel des Hauses ist es, Friedensbildung zu fördern, Workshops anzubieten sowie Schutz- und Begegnungsräume insbesondere für Jugendliche und Frauen zu schaffen. In einer von bewaffneten Konflikten und struktureller Gewalt geprägten Region bietet die Casa Räume der Begegnung, des künstlerischen Ausdrucks und der kollektiven Erinnerung.

Geplant sind unter anderem regelmäßige Treffen mit Gruppen von jeweils etwa dreißig Personen, in denen über das Recht auf kulturelle Identität und deren Bedeutung für die afro-kolumbianische Gemeinschaft gesprochen wird. Darüber hinaus werden Treffen von Hebammen organisiert, bei denen traditionelle Methoden und das Wissen der Geburtshelferinnen weitergegeben und in aktuelle Gesundheitspraktiken eingebunden werden. Weitere Aktivitäten umfassen Schulungen im Bereich Kommunikation sowie Radioprogramme und eine Fotoausstellung, die das Wissen und die Rolle der Hebammen sichtbar machen sollen. Zudem plant die Casa Social Cultural y Memoria Ausstellungen und Wandmalereien, um Kultur und Geschichte der afrokolumbianischen Bevölkerung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Darüber hinaus wurde bereits ein Konzept für ein Museum entwickelt. Dieses soll die Lebensgeschichten von Frauen dokumentieren, die Gewalt erfahren haben, und zugleich Wege im Umgang mit traumatischen Erfahrungen sichtbar machen. Ziel ist es, den betroffenen Frauen Raum für Selbstbestimmung und neue Perspektiven zu eröffnen.

Der Shalompreis wird seit 1981 verliehen und zählt zu den höchstdotierten Menschenrechtspreisen in Deutschland. Die Arbeit der Mitglieder erfolgt ehrenamtlich. Das Preisgeld wird ausschließlich durch Spenden von Privatpersonen sowie institutionellen Unterstützerinnen und Unterstützern ermöglicht, darunter das Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt, die Oswald-Stiftung und der Rotary Club Eichstätt.