Demokratie ist nicht selbstverständlich. Demokratie lebt vom Austausch, vom kritischen Hinterfragen und vom gemeinsamen Handeln. Doch gesellschaftliche Debatten verhärten sich, rechte Dynamiken gewinnen an Einfluss und demokratische Grundwerte geraten zunehmend unter Druck.
Wie beeinflussen rechte Strömungen unsere Gesellschaft, politische Debatten und das demokratische Miteinander? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen begünstigen autoritäre und demokratiefeindliche Tendenzen? Und wie können Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und eine engagierte Zivilgesellschaft diesen Herausforderungen begegnen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt unserer öffentlichen Veranstaltung, zu der wir Studierende, Mitarbeitende der Hochschule sowie alle interessierten Bürger:innen herzlich einladen. Der Nachmittag und Abend des 1. Juli soll ganz im Zeichen des Dialogs zwischen Forschung und (Stadt-)Öffentlichkeit stehen.
Den Auftakt bildet ein wissenschaftlicher Vortrag von Dr. Floris Biskamp, der über Bedrohungen für die liberaldemokratische Ordnung durch eine aufsteigende Rechtsaußenpolitik sowie die inneren Widersprüche einer solchen Ordnung referieren wird. Im Anschluss daran folgt ein Podiumsgespräch mit Andrea Bittlmayer, Prof. Dr. Rico Behrens und Dr. Floris Biskamp, moderiert von Prof. Dr. Karin Scherschel, die gemeinsam mit dem Publikum zu Fragen politischer Bildung gegen Rechts sowie Ansatzpunkte zur Gestaltung demokratischer Prozesse – mit besonderem Blick auf den Landkreis Eichstätt – diskutieren werden.
Datum: 01. Juli 2026
Uhrzeit: ab 15 Uhr
Ort: Eichstätt, Marktplatz 7, Foyer
Mit einer kurzen Begrüßung wird die Leiterin des ZFM, Prof. Dr. Karin Scherschel, die Veranstaltung im Foyer des Gebäudes am Marktplatz 7 eröffnen. Sie erhalten nicht nur Einblicke in den Ablauf der Veranstaltung, sondern erfahren auch mehr über die Arbeit des Zentrums Flucht und Migration.
Der Aufstieg der Rechtsaußenpolitik im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts bedroht die liberaldemokratische Ordnung. Das wurde durch die Politik der Trump-Regierung seit 2025 sehr deutlich und auch von einer möglichen AfD-Regierung wäre Entsprechendes zu erwarten. Allerdings handelt es sich nicht um einen Angriff durch Außerirdische, die eine bis dato durch und durch harmonische und gute Ordnung bedrohen. Vielmehr war die liberaldemokratische Ordnung schon immer in sich widersprüchlich, wie sich zum Beispiel auf den Feldern Migration oder soziale Ungleichheit zeigt, auf denen liberale Ideale von Menschenrechten, Freiheit und Gleichheit an prinzipielle Grenzen stoßen. Rechtsaußenpolitik nutzt diese Widersprüche aus, und verspricht ihre Auflösung – dieses Versprechen kann sie nicht einlösen, bei einem Versuch aber erheblichen Schaden anrichten. Jede Verteidigung der bestehenden Ordnung gegen diese Angriffe muss sich der inneren Widersprüche des Verteidigten bewusst sein.
In einer gemeinsamen Kaffeepause haben Sie die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, sich zu vernetzen und an einem Infostand mehr über Demokratieprojekte im Landkreis zu erfahren. Außerdem erhalten Sie Einblicke in das Fotoprojekt „Der Himmel der Demokratie“ von Johannes Hausner.
Andrea Bittlmayer koordiniert gemeinsam mit Melike Bozlak die „Partnerschaft für Demokratie“ im Landkreis Eichstätt, die darauf abzielt, Demokratieprozesse vor Ort zu stärken und antidemokratischen Tendenzen entgegenzuwirken. Durch ihre Arbeit als Sozialarbeiterin beim Kreisjugendring Eichstätt ist sie überzeugt, dass Demokratie am besten geschützt werden kann, wenn demokratische Werte früh vermittelt werden – idealerweise schon von Kindesbeinen an. Im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ setzt sie sich zugleich mit aktuellen Gefahren für die Demokratie auseinander – ein Thema, das auch vor den Grenzen des Landkreises Eichstätt nicht Halt macht.
Prof. Dr. Rico Behrens ist Inhaber der Professor für Politische Bildung an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Er lehrt und forscht zu den Schwerpunkten Rechtsextremismus als Herausforderung für die politische Bildung, Demokratie lernen sowie Digitalität und politische Bildung. In der Vergangenheit unterstützte er Schulen und Bildungseinrichtungen auch supervisorisch.
Dr. Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe und seit 2024 als Leiter des DFG-Projekts „Die Aushandlung von Sagbarkeitsgrenzen in politischen Diskursen“ an der Universität Tübingen tätig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen politische Theorie, politische Ökonomie, politische Bildung, Rechtsaußenpolitik und Rassismusforschung. Neben seiner akademischen Tätigkeit hält er auch zahlreiche Vorträge in der politischen Bildungsarbeit gegen Rassismus und Antisemitismus, ist publizistisch aktiv und betreibt einen Blog.
Veranstaltungshinweis
Im Anschluss wirft unser Kooperationspartner, der Lehrstuhl für Amerikanistik an der KU (Leitung: Prof. Dr. Jens Temmen), einen kritischen Blick in Richtung USA und spricht mit Simon Strick und Annika Brockschmidt über aktuelle autoritäre Entwicklungen im Rahmen der Trump-Präsidentschaft sowie politische Kontinuitäten in 250 Jahren USA. Weitere Informationen zur Veranstaltung „Die Autoritären Staaten von Amerika? 250 Jahre USA und die Trump Präsidentschaft?" finden Sie hier.