Laufende und in Vorbereitung befindliche Forschungsprojekte

1. Der Elisabeth-Libellus der Freiburger Klarissen (1481). Mit den Illustrationen der Sibilla von Bondorf. Digitale Edition und Kommentar

Vor rotem Hintergrund drückt eine gezeichnete Nonne ein Kruzifix an die Brust

Der Elisabeth-Libellus der Freiburger Klarissen gehört zu drei im Umfeld des Klarissenklosters St. Klara in Freiburg entstandenen kostbaren deutschsprachigen Handschriften des 15. Jhs., die in Anlage und Ausstattung eng miteinander verwandt sind. Die heute im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig aufbewahrte Handschrift (Leipzig, DNB, Klemmsammlung I, 104) enthält neben der von Sibilla von Bondorf aufwändig illustrierten Vita der Elisabeth von Thüringen weitere hagiographische Schriften, vor allem deutschsprachige Paraliturgica wie Gebete, Sequenz- und Antiphonübersetzungen.

Der Libellus überliefert eine auf die verbreitete lateinische Vita S. Elyzabeth des Erfurter Dominikaners Dietrich von Apolda zurückgehende Fassung, die jedoch – vermutlich in Basel und Freiburg – in origineller Weise bearbeitet wurde.

Die digitale Edition macht die Vita und die paraliturgischen Texte in Verbindung mit den Miniaturen zugänglich und bietet einen überlieferungs- und frömmigkeitsgeschichtlichen Kommentar.

Handschrift:

Leipzig, DNB, Klemm-Sammlung 1,104 https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1222562618

 

Publikationen:

Emmelius, Caroline: Gaude Syon. Deutschsprachige Paraliturgica im Elisabeth-Libellus der Freiburger Klarissen (1481), in: Vom Hymnus zum Gebet, hg. von Franziska Lallinger / Pavlina Kulagina, vorauss. Berlin 2022 (Liturgie und Volkssprache 6).

Trînca, Beatrice: Verschobener Frühling in der Franziskus-Vita Sibillas von Bondorf (BL Add Ms 15710). In: Spiritual Vegetation: Vegetal Nature in Religious Contexts Across Medieval and Early Modern Europe, hg. von Guita Lamsechi / Beatrice Trînca unter Mitarbeit von Tobias Petry, Göttingen 2022 (Berliner Mittelalter- und Frühneuzeitforschung 26), S. 173‒189.

 

In Vorbereitung:

Emmelius, Caroline: Die Elisabeth-Vita der Freiburger Klarissen (Leipzig, Klemm-Sammlung I, 104). Hinweise zur textgeschichtlichen Verortung (in Vorbereitung).

Emmelius, Caroline / Trînca, Beatrice (Hgg.): Andacht und Heiterkeit. Intermedialität in Handschriften der Freiburger Klarissen, vorauss. Berlin 2024 (Liturgie und Volkssprache 7).

Ansprechpartner

Prof. Dr. Caroline Emmelius (KU Eichstätt)

PD. Dr. Beatrice Trînca (HU Berlin)

2. Rezeptionsorientierte Edition der Kirchenjahrespredigten Johannes Taulers

Das Projekt wurde vom 01.02.2018 bis 31.05.2021 durch die DFG (WE 4364/6-1) gefördert; die 25 in dieser Zeit fertig edierten Predigten sind einsehbar

Der Fortsetzungsantrag für die weiteren 39 Predigten ist in Begutachtung.

Die im Rahmen des Eichstätter DFG-Projekts 'Predigt im Kontext' betrachteten Handschriftenbestände beinhalten auch die Gesamtüberlieferung der Predigten Johannes Taulers. Mittelfristig soll auf der Basis der vielfältigen Begleituntersuchungen aus und zu diesem Projekt die mittlerweile obsolete Ausgabe von Ferdinand Vetter [(Hg.), Die Predigten Taulers, aus der Engelberger und der Freiburger Handschrift sowie aus Schmidts Abschriften der ehemaligen Straßburger Handschriften, Berlin 1910 (DTM 11)], durch eine neue, aus der Analyse dieser Überlieferungszeugen hervorgehende rezeptionsorientierte Ausgabe ersetzt werden. Diese Edition wird in Kooperation mit der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel und theologischen Fachkollegen (Gerwing, Leppin) erarbeitet.

Genauere Informationen finden Sie hier.

3. Boner, Der Edelstein. Digital-Dokumentation und -Edition

Boner, Der Edelstein. Digital-Dokumentation und -Edition

(in Kooperation mit der UB Heidelberg)

Der Edelstein des von 1324-50 in Bern ur­kun­denden Dominikaners (Ulrich?) Boner ist mit 100 von Pro- und Epilog umrahmten Texten die erste geschlossene und als ein­heitliches buoch kon­zi­pierte Samm­lung äsopischer Fabeln und funktions­ver­wand­ter anonymer Exempla in deutscher Sprache. Sie ist (incl. Streu­gut) in 36 zumeist illu­strierten Handschriften und zwei Inku­nabelausgaben noch der Guten­berg-Zeit (Bam­berg 1461 und 1463/64) überliefert und in letzteren das mutmaßlich erste mit Typen und Holz­­schnit­ten ge­­druckte ­Buch überhaupt. Erste gattungs- und quellen­geschicht­liche Edelstein-Studien verdankten sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts pro­minenten deutschen Dichtern (Ch. F. Gellert, J. Ch. Gottsched, G. E. Lessing), bevor die Samm­lung bei den Gründervätern der germanistischen Mediävistik (J. J. Bodmer, J. J. Brei­tinger, G. F. Benecke, J. und W. Grimm, K. Lachmann, F. Pfeiffer) zum Erpro­bungs­objekt verschiedener editionsmethodischer Angänge für breit überlieferte vor­moderne volks­spra­chige Texte wurde. Die bis dahin bereits fünfte und bis heute letzte ihrer Edelstein-Ausgaben, die editio citanda Pfeiffers von 1844 (Neuaufl. Stange 2016), liegt nun schon gut 175 Jahre zurück und konnte sich auf nicht einmal die Hälfte der heute bekannten 38 Textzeugen stützen. Da die opulente Überlieferung einen jedoch auf­fällig un­­festen Textumfang mit im wesentlichen drei Bestandsklassen zu 100, 90 und 84 Samm­lungstexten auf­weist, gab sie die stem­ma­to­logisch langhin kruzia­le Frage auf, "ob dies allein auf Verstümmelungen im Überlie­fe­rungsablauf zurückgeht oder ob sich darin von B[oner] zu ver­ant­wor­tende Edi­tions­schritte spiegeln" (K. Grubmüller, Art. 'Boner', in: 2VL, Bd. 1, 1978, Sp. 948f.). Mitt­ler­weile hat eine Gesamtkollationierung der Überlieferung und der flan­kierende Ein­satz digitaler phylo­gene­tischer Stemmata klare Evi­denz dafür ergeben, dass das hete­ro­gene Über­lie­fe­rungs­bild nicht von suk­zessivem 'Aufwuchs' eines Ausgangsbestands, sondern von ge­brauchs­be­dingt eklek­tischer Tra­die­rung und Bestands­frag­mentie­rung der Ursprungs­samm­lung verursacht wurde.

Da es ein philologischer Anachronismus wäre, den 'Urtext' – wie es Pfeiffer versuchte – rekonstruktions­methodisch anzuzielen, kann (zumal die Filiationen kontaminiert sind) eine neue Edition nur nach dem Leithandschriftenprinzip verfahren. Aber auch dem stellt die Überlieferungslage erhebliche Hindernisse in den Weg, da beide dem Archetyp nächsten Handschriften verschollen oder vernichtet und nurmehr in Teilen bezeugt sind und drei weitere der umfangreichsten Bestandsklasse starke materielle Verluste oder unikale Lesarten aufweisen. Um die von Boner intendierte Gesamt­samm­l­ung mit dem numerus perfectus von 100 bîschaft samt Pro- und Epilog zu reprä­sentieren, ist daher bis zu fünf Leitcodices und unvermeidlich auch solchen dezi­mierter Bestandsgruppen zu folgen. Der geplante digitale Darstellungs­modus er­mög­licht es, dem zurückhaltend normalisierten Editionstext (mit textkritischem Apparat und Kom­mentar) die für Fassungsvarianten repräsentativsten Textzeugen in Trans­krip­tionen synoptisch zuzu­schalten, die dem XML-basierten Standard der Text Encoding Initiative (TEI) folgen. Zudem können den Editionstexten auch sämtliche der nicht trans­kri­bierten Überlieferungsträger in Digitalfaksimiles zur Seite gestellt wer­den. Eine Bild­datenbank soll überdies die insgesamt annähernd 1.350 Edelstein-Illu­stra­tionen ver­glei­chend erschließbar machen.

Nach Abschluß der bis März 2020 vorgesehenen Vorbereitungsphase bewirbt sich das in Koopera­tion mit der UB Heidelberg projektierte und auf den Seiten der dor­tigen digitalen heiEDTIONS zu präsen­tierende Boner-Portal um eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. 

Ansprechpartner

Prof. i. R. Dr. Gerd Dicke

4. Johannes Tauler in Drucken. Vom ersten Taulerdruck im späten 15. Jahrhundert bis zur lateinischen Übersetzung des 16. Jahrhunderts

Das vermeintliche Predigtwerk des Dominikaners Johannes Tauler († 1361) wurde ab 1498 von etlichen Offizinen in den Druck gebracht, so etwa in Leipzig (1498), Augsburg (1508), Basel (1521/22), Köln (1543) et cetera. Durch ihre der medialen Machart des Druckes geschuldete Vielzahl von Exemplaren mit identischem Textbestand setzte einerseits ein gewisser Normierungsprozess bei den Texten ein, der die Vielfalt der Einzelhandschriften ablöste.

Doch im Gegensatz zu der Verbreitung über einzelne Handschriften führten besonders diese in höherern Auflagen verfügbaren identischen Drucke dazu, dass „seine [= Taulers] Predigten über die Jahrhunderte präsent geblieben“ sind, wie es Gerhard Wehr in seiner Einführung zur Deutschen Mystik auf S. 104 formuliert.

Unser heutiges Bild des Predigers Johannes Tauler ist also leitend geformt von jenen Predigtversionen, welche in den Taulerdrucken vorzufinden sind. Im Dissertationsprojekt zu „Johannes Tauler in Drucken. Vom ersten Taulerdruck im späten 15. Jahrhundert bis zur lateinischen Übersetzung im 16. Jahrhundert“ soll deshalb das Hauptaugenmerk darauf gelegt werden, wie aus einem ersten Grundstock von 84 Predigten der Leipziger Druckfassung von 1498 über zahlreiche Erweiterungen ein weitaus umfassenderes Predigt-Oeuvre Taulers über merkwürdige Rezeptionsprozesse entwickelt wurde.

In dieser von verschiedenen Akteuren geprägten „Tauler“-Sammlung ist freilich vielfach nicht nur der Ursprung der hinzugekommenen „neuen“ Texte häufig unbekannt, sondern oft ist auch nicht einfach erkennbar, an welchen Stellen durch Umstellung, Neusortierung und Anpassung sogar Texte eingebunden werden, die nicht aus Taulers Hand, sondern aus der anderer großer Meister stammen.

Ziel des Projekts ist es, all diese dunklen Stellen von Autorzuweisung sowie Textveränderung und damit Umdeutung aufzuspüren, in ihren Eigentümlichkeiten zu analysieren und durch detaillierte Vergleiche das vordergründige Dunkel der Überlieferung in differenzierte Grautöne aufzuhellen.

Das Dissertationsprojekt wird betreut von Prof. Dr. Rudolf Kilian Weigand.

Ansprechpartner

Tobias Benzinger

5. Die deutschen Predigten Meister Eckharts, Band VI

Das Projekt wird seit 1983 durch die DFG und durch die Meister-Eckhart-Stiftung gefördert.

Bis jetzt erschienen ist: Meister Eckhart. Deutsche Werke Band 4,1: Predigten. Herausgegeben und übersetzt von Georg Steer unter Mitarbeit von Wolfgang Klimanek und Freimut Löser. Stuttgart 2003.

Momentan werden weitere Predigten für die Publikation vorbereitet: Meister Eckhart. Deutsche Werke Band 4,2: Predigten. Herausgegeben und übersetzt von Georg Steer. [noch nicht erschienen].

6. Digitale Bearbeitung von: „Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters“

Das „Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters“ wurde für die Zeitspanne 1150–1350 von dem (aus Schweinfurt gebürtigen) Freiburger Theologieprofessor Johannes Baptist Schneyer erarbeitet und im Verlag Aschendorff in Münster herausgegeben (Reihe: Bei­träge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters), es erschienen 11 Bände in den Jahren 1969-1995.

In Kooperation mit dem Aschendorff Verlag sollen diese Materialien des Schneyer I (1150-1350) nun (bis 31.12. 2024) so aufbereitet werden, dass künftig eine Koppelung mit den digitalen Daten des Schneyer II [Schneyer, Johannes Baptist; Hödl, Ludwig (Hrsg./Bearbeiter): Repertorium der lateinischen Sermones des Mittelalters für die Zeit von 1350 - 1500 = CD-ROM inventory of medieval Latin sermons 1350 – 1500, nach den Vorarbeiten von J. B. Schneyer hrsg. von L. Hödl. Münster: Aschendorff, 2001] möglich sein wird.

Ziel des Projekts ist es, den gesamten Datenbestand des „Schneyer“ in einer öffentlich zugänglichen Datenbank verfügbar zu machen.

Das Projekt basiert auf einer Gemeinschaftsfinanzierung des Aschendorf Verlags  und der „Forschungsstelle für geistliche Literatur des Mittelalters“. Dazu hat auch der Berliner Unternehmer Dr. Hans-Jörg Leuchte einen erheblichen Zuschuss beigesteuert – Musterfall einer Public-Private-Partnership (PPP).