Forschungs- und Lehrprofil

Der Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit folgenden Schwerpunkten.

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Das Deutsche in der Sprache der Werbung

Der Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft bietet Lehrveranstaltungen zu Sprache und Werbung an und beteiligt sich am interdisziplinären Master InterculturAd - Werbung interkulturell.

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Unsere Forschungsthemen im Überblick

Unsere Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Nominalmorphologie, der Variationslinguistik, der Verstehbarkeit nah verwandter Varietäten und der Onomastik.

Lehr- und Forschungsschwerpunkte

Die deutsche Sprache in Struktur und Gebrauch

Cover Worte über Wörter

Grammatik und Lexik des Deutschen werden am Lehrstuhl aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, etwa bei Fragen zur Entwicklung morphologischer Klassen oder der sogenannten Fugenelemente (etwa -s in Verwaltung-s-aufwand, vgl. Kürschner 2010), dem Unterschied zwischen Appellativa und Eigennamen (wie wird aus Tempo ein Warenname?), der Herausbildung klammernder Strukturen und der Merkmale im Aufbau von Texten. Sprache ist aber kein isoliertes System, sondern stellt variable Strukturen zur Verfügung, um sie in der Interaktion situationsadäquat anzuwenden. Sprache ist somit ein wichtiges soziales Handlungsinstrument, das auch aus einer gebrauchsorientierten Perspektive (Pragmatik) betrachtet wird – z.B. im Gespräch oder in der Werbesprache (s.u.) und durch die kognitive Modellierung von Sprach- und Sprachhandlungswissen.

„Worte über Wörter" beschreibt nicht nur einen Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls, sondern gilt auch im Lehrangebot: Wir bieten regelmäßige Lehrveranstaltungen zu allen Systemebenen der Sprache an (etwa zu Laut & Schrift, zur Morphologie und Syntax). Unser Ziel ist es, die Studierenden im Rahmen ihres Lehramtsstudiums durch ein breitgefächertes Angebot auf das Staatsexamen vorzubereiten und ihnen gleichzeitig Einblicke in die aktuelle linguistische Forschung zu bieten, damit sie möglichst bald im Studium eigene Forschungsfragen formulieren und  beantworten können.

Das Deutsche in Variation und Wandel

Buchcover BÖDT-Band

Das Deutsche besteht in einem großen Varietäten- und Stilgeflecht, das u. a. durch geographisch (Dialekte), sozial (Dialekt vs. Standardsprache, Soziolekte), kontextuell (Stil, Register) und medial bedingte Unterschiede (gesprochene/geschriebene/gebärdete Sprache) geprägt ist. Selbst die am besten erforschte Varietät, die Standardsprache, ist in den Ländern des deutschen Sprachgebiets (im engeren Sinne Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz) durch einige Unterschiede charakterisiert und divergiert auch innerhalb Deutschlands deutlich, v. a. zwischen Nord- und Süddeutschland.

Die Variation des Deutschen wird am Lehrstuhl u.a. im Hinblick auf das morphologische System der Dialekte erforscht. Sprachvariation ist gleichzeitig die Grundlage für den stetigen Sprachwandel, der in der Geschichte des Deutschen vom ältesten dokumentierten Stand im Althochdeutschen bis zur Gegenwartssprache und unter Einbezug wichtiger Sprachwandeltheorien verfolgt wird. Einen weiteren Schwerpunkt in Forschung und Lehre bilden daher Sprachwandelphänomene, hierin insbesondere jene des morphologischen Wandels.

Das Deutsche in der Sprache der Werbung

Time Square
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Gemeinsam mit der schwedischsprachigen Universität in Finnland, der Åbo Akademi in Turku, bietet der Lehrstuhl den MA-Studiengang InterculturAd – Werbung interkulturell an. Der interdisziplinäre Masterstudiengang vermittelt vertiefte Kenntnisse zur Kodierung von Werbeinhalten in sprachlicher, bildlicher und filmischer Form, Kenntnisse über die sozialen und kulturellen Determinanten von Werbekommunikation sowie Kenntnisse im Bereich des internationalen und interkulturellen Marketings. Die Studierenden setzen sich mit ethischen Problemen der Werbung auseinander und erwerben in Projektworkshops die Kompetenz zur Konzeption und Umsetzung von interkulturellen Werbestrategien (siehe die aktuellen Image- und Werbefilme der Studierenden). Gleichzeitig erlernen sie in Forschungsseminaren die Fähigkeit zu selbständiger wissenschaftlicher Forschung sowie zu einer wissenschaftsadäquaten Vermittlung von Forschungsergebnissen auf den genannten Gebieten. Teil des Masterstudiums ist außerdem der Erwerb grundlegender Kompetenzen in Schwedisch und ein Auslandsjahr im finnischen Turku.

Erfahren Sie mehr zu den angebotenen Modulen und Projektworkshops und zum Studiengang auf der Homepage von InterculturAd.

Das Deutsche als Mitglied der germanischen Sprachfamilie

Wordcloud

Das Deutsche ist Teil der Sprachfamilie der germanischen Sprachen – einer Gruppe europäischer Sprachen, die allesamt auf die gleiche historische Ausgangssprache, das Urgermanische, zurückgehen. Charakteristische Merkmale des Deutschen und seines Wandels lassen sich besonders gut erkennen, wenn man es mit seinen nah verwandten Nachbarsprachen vergleicht, etwa den westgermanischen Sprachen Niederländisch, Luxemburgisch oder Englisch oder den nordgermanischen Sprachen (Dänisch, Färöisch, Isländisch, Norwegisch, Schwedisch), und so alternative Pfade des Sprachwandels miteinander zu vergleichen lernt (siehe etwa die kontrastive Untersuchung der Pluralallomorphie in zehn germanischen Sprachen in Dammel/Kürschner/Nübling 2010). Einen Forschungsüberblick über die vergleichende Erforschung der germanischen Sprachen wird die Oxford Research Encyclopedia of Germanic Linguistics bieten, die derzeit u.a. am Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft entsteht.

Für einige Sprachen lässt sich die Geschichte durch historische Dokumentation über lange Zeit vergleichend verfolgen (z. B. Altniederländisch, Altenglisch, Altnordisch oder Altsächsisch als Vorstufe des Niederdeutschen). Im Fokus des Akademie-Projekts „Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen (RuneS)“ steht die Runenschrift als ältestes Schriftsystem der germanischen Sprachen (siehe auch das Forschungsprogramm der Arbeitsstelle Eichstätt-München).

Der systematische Vergleich des Deutschen mit den Nachbarsprachen wird am Lehrstuhl darüber hinaus gepflegt, indem die Verstehbarkeit (ohne vorheriges Erlernen) zwischen dem Deutschen und seinen Nachbarsprachen thematisiert wird. Hierzu gehören zum Beispiel die Forschungsfragen „Wie gut erkennen Deutschsprachige niederländische und westfriesische Wörter?" und wie gut verstehen Sprecher/-innen des Niederländischen das Standard- oder das Niederdeutsche (Gooskens/Kürschner/van Bezooijen 2011)?

Das Deutsche im Sprachkontakt

Ausstellungsplakat

Alle Sprachen der Welt stehen mit anderen Sprachen in Kontakt. Sprachkontaktsituationen ergeben sich z.B. dadurch, dass in vielen Gesellschaften die meisten Menschen mehrsprachig sind oder dass zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Sprachen als Hochprestigesprachen auch außerhalb ihres Sprachgebiets häufig genutzt wurden. Das Deutsche zeigt v. a. in seinem Wortschatz, dass es über Jahrhunderte in intensivem Kontakt mit anderen Sprachen stand. So befinden sich z. B. zahlreiche Wörter lateinischer, griechischer und französischer Herkunft im Wortschatz des Deutschen, daneben auch Wörter englischer Herkunft (Englisch stellt aktuell eine wichtige Entlehnungsquelle dar).

Nicht nur innerhalb des eigentlichen deutschsprachigen Gebiets sind Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen aber in Sprachkontaktsituationen getreten, sondern auch dann, wenn sie das deutschsprachige Gebiet verlassen und sich in Gegenden niedergelassen haben, die nicht (nur) deutschsprachig geprägt waren. So ist das Deutsche als Minderheitensprache z. B. in Italien, Frankreich, Belgien oder Dänemark vorzufinden. Es finden sich außerdem zahlreiche deutsche Sprachinseln in Süd- und Osteuropa, und die Auswanderung hat Deutschsprachige auch nach Süd- und Nordamerika und bis nach Papua-Neuguinea und Australien geführt – in Teilen sind solche Sprachinseln heute noch aktiv vorzufinden. Am Lehrstuhl bildet das Deutsche in Südbrasilien einen Forschungsschwerpunkt.

Schließlich finden wir Spuren des Sprachkontakts auch in anderen, z.T. nah verwandten Sprachen, etwa in zahlreichen niederdeutschen (und auch hochdeutschen) Lehnwörtern in den festlandsskandinavischen Sprachen (Dänisch, Norwegisch, Schwedisch), die in erster Linie auf intensiven Kontakt zu Kaufleuten der Hanse im Spätmittelalter zurückgehen und noch heute den Zugriff und Erwerb skandinavischer Sprachen durch Deutschsprachige erleichtern (und umgekehrt).