Die Sanierung ist aus Sicht des Kulturgutschutzes von besonderer Bedeutung: In der Hofgartenbibliothek werden wertvolle Handschriften, Inkunabeln, historische Drucke, Karten, Atlanten, graphische Sammlungen, Musikalien und weitere Bestände verwahrt. Sie dokumentieren nicht nur die Buch- und Bibliotheksgeschichte, sondern auch die regionale Kultur- und Kirchengeschichte. Zudem erfüllt die „ehemalige Staats- und Seminarbibliothek“, wie diese Teilbibliothek auch heißt, die Funktion der Diözesanbibliothek für das Bistum Eichstätt. Vor Beginn der Arbeiten mussten die Bestände zunächst ausgelagert werden.
Am Gebäude selbst bleiben auch nach der Renovierung die markanten architektonischen Merkmale erhalten: Die Hofgartenbibliothek steht als Teil des Werks von Karljosef Schattner unter Denkmalschutz und wird sich äußerlich wie innerlich optisch nicht grundlegend verändern. Die derzeit sichtbaren Eingriffe dienen vor allem der technischen und baulichen Ertüchtigung. Derzeit ist das Gebäude eingehaust. Unter der Schutzhülle wird an einem neuen Aufzugsschacht gearbeitet. Hinzu kommen Dachabdichtungen, Betonsanierungen an der Fassade und Einschnitte für Rauchabzugsöffnungen. Im Inneren wird die veraltete Haustechnik zurückgebaut und durch moderne Technik ersetzt. Sämtliche Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.
Im Magazinbereich zeigte sich dabei an einzelnen Stellen bereits deutlicher Sanierungsbedarf. So waren Fensterschlitze beschädigt und wurden seit Längerem provisorisch verschattet, um den Lichteinfall zu reduzieren. Gerade für historische Bestände gelten hohe Anforderungen an Klima, Lichtschutz und die Abwehr von Schädlingen. Deshalb werden die Fensterschlitze im Magazinturm nun baulich geschlossen — von außen wird diese Veränderung später kaum wahrnehmbar sein.
Errichtet wurde die Hofgartenbibliothek von 1963 bis 1965 nach Plänen des Diözesanbaumeisters Karljosef Schattner. Prägend für den Bau südwestlich des Hofgartens sind das fünfgeschossige Magazin, die Sichtbetonelemente und die vorgelagerten eingeschossigen Flachdachgebäude mit ihrem zurückhaltenden, sachlichen Erscheinungsbild. Zum Gebäudekomplex gehört auch ein lichtdurchfluteter Lesesaal mit großzügigen Fensterflächen.
Bauherr der Sanierung ist das Bistum Eichstätt. Das Gebäude gehört dem Bischöflichen Seminar St. Willibald, während die Bibliothek zugleich Teil der Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist. Ihre Wurzeln reichen ins frühe 19. Jahrhundert zurück: Nach der Säkularisation wurden kirchliche Buchbestände der Region in einer staatlichen Bibliothek zusammengeführt und dem Seminar zur Verwaltung übergeben. Später entstand daneben die Bibliothek des Bischöflichen Seminars; mit der Universitätsgründung übernahm die KU die bibliothekarische Betreuung der Bestände. So steht die Hofgartenbibliothek bis heute für eine gewachsene Kooperation, in der bedeutende Kulturgüter gemeinsam bewahrt werden. Zu den bekanntesten Werken zählt der „Hortus Eystettensis“, der international berühmte prachtvolle Gartenband aus dem frühen 17. Jahrhundert, der auch über das Portal Bavarikon als Kulturschatz Bayerns präsent ist.
Die Sanierung war seit Langem vorbereitet und verläuft nun zeitlich parallel zur Erneuerung der ebenfalls von Karljosef Schattner entworfenen Kollegiengebäude der Universität, ohne dass zwischen den Maßnahmen ein direkter organisatorischer Zusammenhang besteht. Die Arbeiten liegen derzeit im Zeitplan. Die außen sichtbaren Maßnahmen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, insgesamt wird mit einem Abschluss der Sanierung 2028/29 gerechnet.
Text: Christian Klenk & Bistum Eichstätt