Abgeschlossene Qualifikationsarbeiten

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Miroslav Házy
Magisterarbeit:     Mikuláš Russnák und sein Beitrag zur Verkündigung des Dogmas der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel

Miroslav Házy, Slowakei, Slowakische Griechisch-katholische Kirche, Eparchie Košice

Im Jahr 1946 versandte Papst Pius XII. (1939–1958) die Enzyklika Deiparae Virginis Mariae an das Weltepiskopat: Er wollte die Bischöfe nach ihrer Meinung befragen, ob und wie die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel als Glaubenssatz vorgelegt und definiert werden könne. Aus der ganzen Welt kamen theologische Erklärungen, Ansätze und Studien nach Rom, unter anderem auch aus der Slowakei.

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In der Slowakei beauftragte der Bischof der griechisch-katholischen Eparchie Prešov, Pavel Peter Gojdič, den Domkapitular Mikuláš Russnák (1878–1954) mit der konkreten Aufgabe, eine Studie über die Aufnahme Mariens in den Himmel zu verfassen. Russnák war damals Professor für Dogmatik an der Comenius Universität in Bratislava und hatte zu diesem Zeitpunkt zufälligerweisebereits gerade eine solche Abhandlung geschrieben. Darin legt er dar, dass sich auch aus der Perspektive der byzantinischen Theologie die Dogmenverkündigung rechtfertigen lasse.

Ausgangspunkt in Russnáks Argumentation zugunsten eines Dogmas der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel sind vor allem die liturgischen Texte der byzantinischen Tradition. Worin besteht nun die Originalität seines Ansatzes und wie erschließt sich dann sein besonderer Beitrag zur Etablierung dieses Dogmas? Russnák ist ohne jeden Zweifel sehr darum bemüht, eine Verbindung zwischen ost- und westkirchlicher Theologie herzustellen, und aus seiner Verwurzelung im byzantinischen Ritus gelingt ihm dies vor allem im Hinblick auf das liturgische Erbe. Das Profil seines eigenen griechisch-katholischen Standpunktes ist jedoch auch dadurch geprägt, dass er bestimmte hermeneutische Zugänge wählt, welche orthodoxer Theologie unzugänglich waren und bis heute sind, vor allem die nur im Westen praktizierte Privilegientheologie zur Beschreibung der Eigenschaften Mariens.

Die Magisterarbeit arbeitet diese Aspekte im Einzelnen heraus und zeigt auch, wo der ökumenische Impetus des großen slowakischen Theologen an seine Grenzen stößt und sich dieser quasi als Theologe „mit lateinischem Kopf und byzantinischem Herz“ erweist.

Roman Horodetskyy
Magisterarbeit:     Die eucharistischen Gaben als Ikone der Kirche und die Heiligung des Lammes. Ein kritischer Blick auf Entwicklungen in der Feier der Proskomidie in der KyiverMetropolie vor und nach der Union von Brest

Roman Horodetskyy, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Eparchie Sokal-Zhovkva

Die Entfaltung der byzantinischen Liturgie bin hin zu ihrer heutigen Gestalt korespondierte immer mit der Theologie, die dahinterstand. Allerdings birgt die Komplexität des heutigen byzantinischen Ritus in den verschiedenen Kirchen dieser Tradition in sich auch eine lange geschichtliche Entwicklung sowie äußere Einflüsse. Die Liturgie, die die Kyiver Metropolie aus Konstantinopel übernommen hat, ist nach der Union von Brest (1596) und der Synode von Zamość (1720) logischerweise in einen engeren Kontakt mit der westlichen Tradition geraten und hat sich ineinigen Aspekten unter deren Einfluss verändert.

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Die Leitfrage dieser Magisterarbeit ist, inwiefern die ursprüngliche, seit der mittelbyzantinischen Zeit voll ausgefaltete Symbolik und Theologie der Gabenbereitung (Proskomidie) mit der heutigen Praxis der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche übereinstimmt. Die Analyse der Liturgieentwicklung zeigt, dass sich die theologische Deutung der Proskomidie über eine lange Zeit entwickelt hat. Das Besondere dieser Entwicklung ist die Herausbildung eines Verständnisses, welches in den eucharistischen Gaben eine Ikone der Kirche erblickt, sodass in Feier der Eucharistie nicht alle auf dem Diskos befindlichen Brotteile konsekriert werden, sondern lediglich das Christus symbolisierende „Lamm“ – das zentral platzierte größte Stück – geheiligt und als Kommunion empfangen wird. Diese Praxis ändert sich schon sehr bald nach dem Abschluss der Union von Brest in der mit Rom vereinigten Kirche in der Metropolie von Kyiv. Warum und wie diese Änderung auf der theologischen Ebene erklärt wird bzw. ob sie überhaupt eine Erklärung findet, ist das Untersuchungsobjekt meiner Arbeit.

Schließlich bieten sich als Ergebnis dieser Untersuchung auch einige Reform- bzw. Verbesserungsvorschläge für die kirchliche Praxis an. Auf jeden Fall kann diese Arbeit zumindest für eine weitere theologische Diskussion in der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche sorgen, um den Vollzug der eigenen eucharistischen Praxis kritisch zu reflektieren.

Markiian-Iliia Mykytchyn
Magisterarbeit:    Wüstenväter als Therapeuten. Eine Untersuchung zum Umgang geistlicher Väter mit depressiven Erfahrungen in den Apophthegmata Patrum

Markiian-Iliia Mykytchyn, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Eparchie Stryi

In der Wüste waren die Mönche von anderen Menschen großenteils isoliert und konnten so ihre eigene Seele besser erforschen. Sie kämpften mit den Versuchungen und verschiedenen Gedanken, um die Ruhe des Herzens zu finden und ein heiliges Leben in Frieden zu erreichen. Meine Magisterarbeit ist ein Beitrag zu diesem Bereich der ostkirchlichen Spiritualität.

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Im Zentrum der Untersuchung stehen also die Wüstenväter, deren Gedanken und Werke ihre Aktualität auch für die Christen des 21. Jahrhunderts bewahren. Da man natürlich nicht alle Werke von allen Kirchenvätern in einer solchen Arbeit untersuchen kann, wird hier exemplarisch vorgegangen: Der Schwerpunkt liegt auf den berühmten Apophthegmata Patrum – den Sprüchen der Wüstenväter (ca. 5. Jahrhundert) –, und zwar mit einem besonderen Akzent auf den Themen Schwermut und Depression. Anhand konkreter Beispiele möchte diese Magisterarbeit also die Aktualität der ostkirchlichen Spiritualität für unsere heutige Zeit hervorheben.

So sind die Wüstenväter auch heute Therapeuten zu begreifen, deren Gedanken, Beobachtungen und Ratschläge im geistlichen Leben des gegenwärtigen Menschen sehr hilfreich sein können. Ein gelegentlicher Vergleich mit zeitgenössischen Autor*innen und Forscher*innen im Bereich der Psychologie und Psychotherapie soll dies veranschaulichen.

Alex Peedikayil
Magisterarbeit:    „Puthenkuttukar“ – westsyrische Identität in Indien: Aspekte aus der formativen Periode des 17. und 18. Jahrhunderts

Alex Peedikayil, Indien (Kerala), Syro-Malankarische Kirche, Erzeparchie Thiruvalla

Im 17. Jh. versuchten portugiesische Missionare die indisch-malabarische Kirche zu latinisieren, was zu einer Spaltung unter den Thomas-Christen führte. Aus dem Widerstand gegen den Latinisierungsversuch entstand eine neue christliche Gemeinde, von denen ein Teil, genannt ‘Puthenkuttukar’ („neue Partei“), sich später der westsyrischen Kirche in Antiochien anschloss. Dieser Prozess ist bis heute Thema theologischer Diskussionen und Fragen: Was waren die Gründe für diese Spaltung? Wie kam die „neue Partei” überhaupt in Berührung mit der westsyrischen Kirche, also mit einer Kirche, die einer ganz anderen Tradition angehörte?

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Die Leitfrage meiner Magisterarbeit lautet: Wie versuchte die „neue Partei” eine eigene indische westsyrische Identität unter den Thomas-Christen im 17.–18. Jh. auszubilden? Wie gelang es ihnen, vor allem im Spannungsfeld zwischen der ursprünglichen ostsyrischen Tradition, der portugiesischen Latinisierung und der neuen westsyrischen Tradition, ihre Identität zu wahren?

In den späteren Jahrhunderten entstanden viele Spaltungen und Streitigkeiten innerhalb der Puthenkuttukar selbst. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Zeitperiode von 1653 bis 1772, in der diese Gruppe entsteht, ihre Identität herausbildet und zum gemeinsamen Vorläufer einiger späterer und bis heute abgespaltenen Kirchen wird.

Roman Sadovyi
Lizentiatsarbeit:    Die Rolle des Weins in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben des byzantinischen und der Karfreitagsliturgie des lateinischen Ritus

Roman Sadovyi, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Exarchat Odessa

Im Osten und Westen gelangten die Kirchen im Laufe der Geschichte zu der Überzeugung, dass es Tage im Jahreskalender gibt, an denen die Eucharistie nicht gefeiert werden soll. Im Osten gibt es deshalb traditionelle „aliturgische“ Tage während der Fastenzeit, im Westen betrifft dies den Karfreitag. Um dem Wunsch der Gläubigen nach dem Empfang der Kommunion zu entsprechen, haben beide Riten eine ähnliche Lösung gefunden: Die Liturgie der Vorgeweihten Gaben im Osten bzw. die Karfreitagsliturgie im Westen. In beiden Gottesdiensten findet die Konsekration nicht mehr statt, sondern die eucharistischen Gaben wurden bereits vorgeweiht.

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Das Problem, auf das die beiden Riten dann stießen, bildet die Leitfrage meiner Lizentiatsarbeit: Das Brot ist in den Leib Christi vorkonsekriert, aber was geschieht mit dem Wein? Wird er etwa durch Berührung mit dem Leib Christi konsekriert? Gibt es andere Ansichten und Erklärungen bezüglich der Rolle des Weins in diesen Gottesdiensten, und wie hat sich diese Geschichte entwickelt?

Zwei Riten mit gleichen Problemstellungen stoßen hier auf eine gemeinsame Frage, die von den ost- und westkirchlichen Theologen im Laufe der Jahrhunderte nicht immer gleich beantwortet wurde. Theologische Entwicklungen dieser Frage im Osten und Westen bilden den Schwerpunkt meiner Arbeit. Ein Vergleich beider soll möglicherweise eine Antwort auf die Frage geben, warum die Kommunion sowohl in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben als auch in der Karfreitagsliturgie heute nur unter der Gestalt des Brotes erfolgt.

Ruslan Stetsyk
Lizentiatsarbeit:    Prinz Max von Sachsen als Lehrer der Ostkirchenkunde in Lemberg am Beispiel seiner Vorlesung zur Jakobusliturgie 

Ruslan Stetsyk, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Eparchie Sambir-Drohobych

Prinz Max von Sachsen (1870–1951) ist eine der wichtigen Persönlichkeiten der Römisch-katholischen Kirche in der ersten Hälfte des 20. Jh. Er war ein promovierter Rechtswissenschaftler und ebenso ein promovierter Theologe, der im Bischöflichen Lyzeum in Eichstätt Theologie und Philosophie studiert hatte und 1896 in der Eichstätter Schutzengelkirche zum Priester geweiht wurde. In der Hoffnung auf die Wiedervereinigung der Kirchen widmete er sein ganzes Forscherleben der Untersuchung des christlichen Ostens.

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Unter den zahlreichen Kontakten mit verschiedenen Ostkirchen hatte er ein besonderes Verhältnis auch zur Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche. Auf die Einladung des Metropoliten Andrej Šeptyсʹkyj war er oft in Lemberg. Von 1910 bis 1914 hielt er dort seine „Vorlesungen über orientalische Kirchen“ im Lemberger Priesterseminar. Nicht alle Skripte und Notizen dieser Vorlesungen sind bis jetzt überhaupt digitalisiert und bleiben deshalb für die Ostkirchenforschung offen und interessant.

Weil das Forschungsfeld noch unzureichend untersucht ist, sind die Quellentexte oft nur als Manuskripte vorhanden und die Hintergrundinformationen überwiegend in Zeitungsarchiven zu suchen. Aus diesem Grund arbeite ich in meiner Forschungsarbeit sehr deskriptiv. Die Hauptaufgabe meiner Lizentiatsarbeit ist es dabei, eine der Vorlesungen von Prinz Max zu analysieren, nämlich sein Vorlesungsmanuskript zur Jakobusliturgie. Anhand dieses Textes möchte ich das theologische Profil des Prinzen Max von Sachsen entwickeln sowie seinen methodischen Stil analysieren. Ich hoffe, dass die Arbeit zu einem Anstoß für weitere Forschungen wird.

Habilitationsprojekte

Anahit Avagyan
Die armenische Überlieferung der Apophthegmata Patrum

Dr. theol. Anahit Avagyan, Armenien, Armenisch-Apostolische Kirche, Katholikat Etschmiadzin

Auf dem Projekt „Early Monasticism and Classical Paideia“ der Universität Lund und verschiedenen Vorarbeiten basierend, erforscht die Armenologin und Kirchenhistorikerin Anahit Avagyan ab dem WiSe 2020/21 in ihrem Habilitationsprojekt im Fach „Theologie des Christlichen Ostens“ die Überlieferungsgeschichte und den Bestand der armenischen Apophthegmata Patrum sowie deren Rezeption in der armenischen Kirche.

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Indem David Brakke (Macarius’s Quest and Ours, CSQ 48 [2013] 240) die Quellen des ägyptischen Mönchtums darstellt, schreibt er: „AP [Apophthegmata Patrum] presentdifficulties that scholars have discussed for years: the relationships among the different formsand language versions, the dates and circumstances of their original compilation, and thehistory of their transmission. Earlier scholars hoped to discover the earliest and most reliable sets of sayings and versions of individual sayings that, they believed, would give them good information about early monks.“ In diesen wenigen Zeilen werden als die wichtigsten Elemente der Erforschung der Apophthegmata Patrum ihre Entstehung bzw. Datierung, Zusammensetzung, Formenunterschiede und die Bestimmung der (ältesten) Überlieferung benannt. Da Fragen der Forschung wesentlich von den Überlieferungssprachen abhängen, gilt die Erforschung der armenischen Übersetzung und ihrer Redaktionen als einer der wichtigsten Überlieferungslinien als veritables Forschungsdesiderat. Anahit Avagyan widmet sich in ihrem Habilitationsprojekt der Überlieferungsgeschichte und dem Bestand der armenischen Apophthegmata Patrum sowie deren Rezeption, insbesondere im armenischen Mönchtum,sowie ihres theologiegeschichtlichen Einflusses auf die armenische Kirche. Als Quellen der Untersuchung werden primär die armenischen Handschriften des Jerewaner Matenaderanausgewertet, außerdem werden archäologische Zeugnisse und anderes Material zur Untersuchung herangezogen. Die reiche handschriftliche Überlieferung bzw. eine lange Textgeschichte der Haranc’ vark’ (Vitae Patrum – die armenischen Paterika schlechthin, in denen auch die Apophthegmata Patrum inkorporiert sind) erweist sich als Segen und Verhängnis zugleich. Die Ausgaben (von Neu-Dschulfa 1641, Konstantinopel 1720 und Venedig 1855) basieren zwar auf Handschriften und geben die Vielgestaltigkeit der Paterika-Sammlungen wieder, können aber heute nicht für sich beanspruchen, eine wissenschaftlichen Bedürfnissen genügende Edition darzustellen.

Das Vorhaben, die armenische Überlieferung der Apophtegmata Patrum in einem breiteren Umfang zu untersuchen, entstand am Centre for Theology and Religious Studies der Universität Lund während der Mitarbeit im Projekt „Early Monasticism and Classical Paideia“ (MOPAI; Projektleiter: Samuel Rubenson; monastica.ht.lu.se/), sodass bereits auf eine Reihe von Vorarbeiten zurückgegriffen werden kann. Diese begonnenen Arbeiten fließen ein in ein Habilitationsprojekt im Fach „Theologie des Christlichen Ostens“, bei dem insbesondere auch eine Kooperation mit dem Armenologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Hacik Gazer, vorgesehen ist. Der Forschungsgegenstand befindet sich am Schnittpunkt von Patristik, ostkirchlicher Spiritualität und vergleichender Sprachwissenschaft. Die Kollation der armenischen Textzeugen und der Vergleich mit den originalsprachlichen Vorlagen (Griechisch, ggf. Syrisch, Koptisch und Latein) sowie eine eingehende historische wie theologiegeschichtliche Analyse bilden die Schwerpunkte des Projekts. Für die finanzielle Förderung erhält Frau Dr. Avagyan ein Habilitationsstipendium des Hilfswerks RENOVABIS.

Promotionsprojekte

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Hennadii Aronovych
Die Aussagen des Johannes Chrysostomus über das Judentum in seinen Homilien zum Matthäusevangelium und deren Wirkungsgeschichte im Christlichen Osten

Hennadii Aronovych, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Eparchie Stryi

Obwohl Johannes Chrysostomus viele Homilien zu den verschiedenen biblischen Büchern verfasst hat, sind sie nur selten zum Gegenstand der wissenschaftlichen theologischen Untersuchungen geworden. Das ist umso erstaunlicher, als es zahlreiche deutsche Übersetzungen seiner Kommentare vor allem zum Matthäusevangelium und zum Römerbrief gibt. Interessanterweise gilt es auch, die deutsche Übersetzung der Matthäushomilien des Prinzen Max von Sachsen in diesem Projekt zu untersuchen.

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Die Aufgabe dieser Lizentiatsarbeit besteht darin, die festgefahrene Vorstellung, Johannes Chrysostomus sei der „Vater des christlichen Antijudaismus“,differenzierter darzustellen, ggf. zu revidieren und anhand der vorliegenden Texte zu überprüfen.

Darüber hinaus soll auch die Wirkungsgeschichte der Homilien in den Kirchen der slawischen Tradition unter die Lupe genommen werden. Es handelt sich dabei vor allem um einen gewissen Theophylakt von Bulgarien (11. Jh.), der eine Art „Studienbibel“ veröffentlichte, in welcher der Bischof von Ochrid in erster Linie die Werke des Johannes Chrysostomus kompilierte.

Joachim Braun
Byzantinische Liturgie in syrischer Sprachgestalt. Die syro-melkitische Handschriftentradition des neosabaitischen Typikon (13. Jh.) als Zeuge einer multilingualen Zusammensetzung der chalkedonensischen Patriarchate von Antiochien und Jerusalem

Joachim Braun, Deutschland, Römisch-katholische Kirche, Bistum Eichstätt

Die Patriarchate von Antiochien und Jerusalem zeichnen sich nicht nur von ihren Ursprüngen her durch die Verwendung der syrischen und griechischen Sprache aus. Mehrere Jahrhunderte nach der konfessionellen Ausdifferenzierung der Levante infolge des Konzils von Chalkedon kam es zu einer allmählichen Byzantinisierung der Liturgie in den melkitischen Patriarchaten. Dabei ist bemerkenswert, dass die griechischen Vorlagen der liturgischen Texte nicht nur in die inzwischen gebräuchliche arabische Sprache, sondern auch ins Syrische übersetzt wurden.

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Der behandelte geographische Raum ist seit den Eroberungen Alexanders des Großen hellenisiert, sodass zum Zeitpunkt der Ausbreitung des Christentums die griechische Sprache verbreitet war. Doch blickt man auf die Gruppe der Melkiten, die sich zum Konzil von Chalkedon bekannten und mit dem Kaiser in Byzanz kirchliche Gemeinschaft pflegten, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Sie bestand aus ethnischen Griechen, die als Beamte, Kaufleute oder Soldaten in der Levante lebten, des Weiteren aus hellenisierten Indigenen, die vorwiegend in den großen Städten lebten, und eben auch der indigenen Landbevölkerung, die des Griechischen in der Regel nicht mächtig war.

Die Klöster wiederum waren ebenso multilinguale Orte. Unzählige Pilgerinnen und Pilger aus allen Himmelsrichtungen kamen ins Heilige Land, blieben als Nonnen und Mönche vor Ort und bildeten so den kosmopolitischen und multinationalen Charakter des palästinischen Mönchtums. Wenngleich Griechisch die vorherrschenden (Liturgie-)Sprache blieb, so wurde dennoch auch Georgisch, Arabisch und Syrisch (das klassische Syrisch ebenso wie das Christlich-Palästinische) gesprochen. Aufgrund dieser Vielsprachigkeit entwickelten sich die Klöster (z. B. die Mar-Sabas-Lawra oder das Kloster des Symeon Stylites des Jüngeren) zu Zentren der Übersetzungsliteratur sämtlicher Gattungen.

Die Vorstellung, dass Syrisch für die byzantinische Reichskirche keine Rolle spielte, dass für die melkitische Tradition also nur Griechisch und Arabisch von Gewicht seien, dass Syrisch sogar mit „monophysitisch“ gleichzusetzen sei, ist nicht zutreffend. Sprachgrenzen und Konfessionsgrenzen verlaufen nicht deckungsgleich. Der pro- und anti-chalkedonische Diskurs kann nicht auf einen ethnolinguistischen Streit zwischen Griechisch- und Syrisch-sprechenden Christen heruntergebrochen werden.

Davon zeugen auch drei aus dem 13. Jahrhundert stammende neosabaitische Typikon-Handschriften, welche sich heute im Katharinenkloster auf dem Sinai befinden (Sin. syr. 129, 136 und 192). Ausgehend von einer selbst angefertigten Teiledition dieser Handschriften soll innerhalb des Promotionsprojektes diese Version byzantinischer liturgischer Texte analysiert werden. Im Zentrum des Interesses steht dabei die Multilingualität der byzantinischen Reichskirche als Ausdruck einer Vielfalt, welche das allgemeine Bild einer integristischenEngführung aufbricht.

Miroslav Házy
Logos und Führung des Herzens. Geistliche Begleitung und geistliche Vaterschaft bei den ägyptischen Wüstenvätern und im palästinischen Mönchtum von Gaza und Wort-sinnorientierte Psychotherapie (Logotherapie und Existenzanalyse) nach Viktor E. Frankl

Miroslav Házy, Slowakei, Slowakische Griechisch-katholische Kirche, Eparchie Košice

Das altgriechische Wort Logos (λόγος) bietet ein geradezu spektakuläres Bedeutungsspektrum. Außerdem kann es als einer der zentralsten Begriffe der Theologie, Philosophie und Psychologie bezeichnet werden. In dieser Promotion wird die Bedeutung des Logos (Wort und Sinn) als Mittel der geistlichen Begleitung von Menschen bei den Wüstenvätern und in der Wort-sinnorientierten Psychotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl untersucht.

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Es stellt sich die Frage, inwiefern das (ewige) Wort (λόγος) bei den östlichen Vätern und der Sinn (λόγος) des menschlichen Lebens bei Frankl miteinander in Beziehung gesetzt werden können, inwiefern sich der Logos in den leiblichen, seelischen und geistlichen Dimensionen im Menschen widerspiegelt und sich diese drei Dimensionen im Menschen im Bezug zum Logos gegenseitig beeinflussen.

Das Promotionsprojekt soll inhaltlich Schriften des östlichen Mönchtums als einer wesentlichen Quelle der Theologie des Christlichen Ostens mit Inhalten und Zielen moderner Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl in Beziehung setzen. Näherhin sind dies diejenigen Schriften der ägyptischen Wüstenväter (hier v. a. Evagrios Pontikos) und despalästinischen Mönchtums von Gaza (v. a. Barsanuphios von Gaza, Dorotheos von Gaza), welche den Aspekt der geistlichen Begleitung und der geistlichen Vaterschaft beinhalten. Der Promovend absolviert dazu neben seinem Promotionsstudium in Eichstätt unter Betretung von Prof. Dr. Thomas Kremer auch eine Logotherapieausbildung am Süddeutschen Institut für Logotherapie & Existenzanalyse nach Viktor Frankl in Fürstenfeldbruck bei München(vgl. https://logotherapie.de/). Der Ansprechpartner dieses Projektes für den logotherapeutischen Teil ist Dr. Otto Zsok, der Leiter des Münchener Instituts.

Die primär auf die praktische Anwendung ausgerichteten Kenntnisse der Logotherapie lassen sich methodisch insofern mit einer Promotion im Fach „Theologie des Christlichen Ostens“ kombinieren, als insbesondere die therapeutische Wirkung des Gesprächs und die Frage nach dem Sinn des Lebens, wie sie auch Grundlage der (Sinn-)Seelsorge sind, sich in vielfacher Hinsicht in den Schriften der östlichen Väter widerspiegeln. Methodisch geht es um eine eingehende Analyse östlicher Vätertexte und ein begründetes Urteil hinsichtlich der Frage, in welchem Ausmaß logotherapeutische Prinzipien darin (bereits) zu erkennen sind.

Dieses Promotionsprojekt wird durch eine großzügige finanzielle Unterstützung der Nordamerikanischen katholischen Bischofskonferenz „The United States Conference of Catholic Bishops“ (USCCB, vgl. https://www.usccb.org/) und der Deutschen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse e.V. (DGLE, vgl. https://www.dgle.org/) verwirklicht.

Sergii Kachur
Postbyzantinische Modelle der Symphonie im Kontext der russischen Kirchengeschichte von 1533 bis 1721 

Sergii Kachur, Ukraine, Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, Eparchie Mukatschewo

Die einzigartige Beziehung zwischen orthodoxer Kirche und Staat, genannt Symphonie, entstand noch zur Zeit des byzantinischen Kaisers Justinian (527–565). Einen besonderen Wert hat das Thema bis heute in Hinblick auf Russland: Sowohl das Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche als auch die politische Kreml-Elite, wie etwa der ehemalige Präsident und jetzt Premierminister Dimitrij Medwedjew, brachten dies während feierlicher Treffen mehrmals zum Ausdruck. Der heutige kirchlich-staatliche Diskurs in Russland bildet somit eine „Renaissance“ der alten byzantinischen Symphonieidee.

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Von daher ist die Frage, inwieweit das Ideal der Symphonie in Russland realisiert wurde, die erste Frage meines Forschungsprojekts. Welche eigenständigen Symphoniemodelle entwickelten sich in Russland und wie unterscheiden sich die russischen Analogien vom byzantinischen Prototyp? Welcher der russischen Symphonietypen ist letztendlich als dominant zu bezeichnen?

Um auf die Fragen eine Antwort zu finden und die heutigen Phänomene in Russland zu erklären, soll sich meine historische Forschung über die Zeit des Mongolenjochs, der Zentralisierung der Macht in Moskau, bis zur Zeit der Gründung des Russischen Reiches erstrecken. Besonders interessant sind Themenaspekte, inwiefern etwa die Kirche im Dienst des Staates stand, z. B. in Form von Kirchendienern, welche im Nachrichtdienst für den Staat arbeiteten.

J. Kienemund
Sakramententheologie der ostsyrischen Kirche im Spiegel der Traktate Abdischos von Nisibis und Timotheus II. 

Johannes Kienemund, Deutschland, Römisch-katholische Kirche, Bistum Erfurt

In den verschiedenen christlichen Traditionen des Ostens und des Westens ist das sakramentale Leben durch eine Vielfalt gekennzeichnet, die Ergebnis und Ausdruck unterschiedlicher kirchlicher Entwicklungen und kultureller Hintergründe ist. Speziell das ostsyrische Christentum ist in vielerlei Hinsicht sakramententheologisch zugleich einzigartig und bereichernd, da es bedingt durch Phasen der Isolation von anderen christlichen Traditionen und in großer Treue zu ihren eigenen apostolischen Ursprüngen eine eigenständige Tradition bewahrt und entfaltet hat, die eine inzigartige Quelle für die gesamte Kirche darstellt.

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Besondere Autorität genießen hierbei unter den ostsyrischen Schriftstellern Metropolit Abdischo von Nisibis (♱ 1318) und Patriarch Timotheus II. (♱ 1332) als Verfasser der einzigen systematischen Sakramententraktate am Ende der letzten Blütezeit der ostsyrischen Kirche.

Die bleibende und normative Bedeutung beider Autoren für die ostsyrische Sakramententheologie zeigte sich in den nicht-offiziellen Konsultationen des Syriac Dialogue der Stiftung PRO ORIENTE (2000, 2002 & 2003) und wurde nicht zuletzt auch im offiziellen Common Statement on Sacramental Life (2017) der gemeinsamen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und der Assyrischen Kirche des Ostens betont.

Im Rahmen des Promotionsprojektes sollen die sakramententheologischen Traktate Abdischos und Timotheus II. als maßgebliche Quellen für eine originäre Darstellung der ostsyrischen Sakramententheologie mit ihren unterschiedlichen Merkmalen und Eigenheiten analysiert werden.

R. Myrosh
Das Eheversprechen im byzantinischen Krönungsritus. Eine Herausforderung für die Theologie der katholischen Ostkirchen

Rostyslav Myrosh, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Erzeparchie Lviv

Die Frage des Eheversprechens soll man im Kontext der gesamten Ehetheologie betrachten. Die römisch-katholische Kirche legt einen besonderen Wert auf den Vertragscharakter der Eheschließung, demzufolge die Eheleute also selbst Spender des Ehesakraments seien. Die byzantinische Tradition sieht die Trauung dagegen als ein ekklesiales Geschehen, denn es ist Gott selbst, der in der Kirche durch die Hand des Priesters die Ehe segnet.

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Zwischen diesen beiden Koordinatensystemen befindet sich die Liturgie der Ehe in der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche (UGKK). In den Eheschließungsritus der UGKK wird ein ursprünglich nicht vorhandenes Eheversprechen im Laufe der Geschichte eingefügt – nicht zuletzt aufgrund der westlichen Einflüsse. Daher lautet die Leitfrage meines Dissertationsprojektswie folgt: Welche Rolle spielt das Eheversprechen im byzantinischen Krönungsritus insgesamt? Nicht weniger wichtig ist die Frage, ob die Theologie der katholischen Ostkirchen einen Beitrag zum Dialog der beiden Deutungen des Ehesakramentes leisten kann.

Außerdem soll dieses Forschungsprojekt zur theologischen Profilbildung innerhalb der katholischen Ostkirchen selbst dienen und eventuell auf der Ebene der kirchlichen Praxis relevant werden. Die ersten Eindrücke lassen nämlich vermuten, dass die gegenwärtige Form der Eheschließungsliturgie in der UGKK eine liturgische Reform bezüglich des Eheversprechens notwendig macht.

Lizentiatsarbeiten

Rostyslav Palchykevych
Symbolik der Göttlichen Liturgie des Johannes Chrysostomos in den Katechismen und der katechetischen Literatur der UGKK von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute

Rostyslav Palchykevych, Ukraine, Ukrainische griechisch-katholische Kirche, Erzeparchie Kiew

Die Tradition der byzantinischen Kirchen in der slawischen Welt spricht vom Jahr 988 als dem Zeitpunkt der Taufe der Kiewer Rus’. Bis heute dauert die Inkulturation des byzantinischen Ritus in das Weltbild der slawischen Völker an. Im Zentrum des byzantinischen kirchlichen Lebens stand immer die Göttliche Liturgie, ihre Schönheit und reiche theologische Symbolik. Inwiefern unterscheidet sich diese Symbolik bei den Griechen und Slawen? Sind Ritus und Interpretation der Liturgie bei ihnen seit tausend Jahren noch gleich?

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Diese Fragen bekommen noch einen zusätzlichen Aspekt durch die Entstehung der mit Rom unierten Kiewer Metropolie im Jahr 1596: Der Ritus blieb dabei byzantinisch, aber in der Lehre hielten westliche Einflüsse Einzug. Da die unierte Kirche im Russischen Reich wie auch später in der Sowjetunion verboten und verfolgt wurde und nur unter Österreich-Ungarn und Polen öffentlich tätig sein durfte, waren die Katechismen oft fast die einzige theologische Literatur in dieser Zeit.

In meiner Arbeit interessiere ich mich deshalb für die Interpretation der Liturgie in der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, wie sie in den Katechismen und der katechetischen Literatur seit dem 19. Jh. zu finden ist. Auch wenn sich die Katechismen der unierten Kirche oft nach den Vorlagen der Römisch-katholischen Kirche orientierten, war gerade der liturgische Teil oft eigens geschrieben. In meiner Arbeit möchte ich daher erforschen, welche theologischen Grundmuster und Interpretationen der Göttlichen Liturgie sich da unterscheiden lassen.

Die ersten Eindrücke lassen vermuten, dass die Deutung der Liturgie als einer Abbildung der heilsgeschichtlichen Ereignisse aus dem Leben Jesu und die Teilnahme an ihnen eine besondere Rolle in der Liturgieinterpretation dieser Zeit gespielt haben dürfte.

Dmytro Vasylenko
Karl Christian Felmy als westlicher Theologe der Orthodoxie 

Dmytro Vasylenko, Ukraine, Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, Eparchie Kiew

Karl Christian Felmy ist deutscher Theologe und emeritierter Professor für Geschichte und Theologie des christlichen Ostens an der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Februar 2007 konvertierte der lutherische Forscher zur russisch-orthodoxen Kirche und ist jetzt Diakon. Seine theologischen Werke erschienen in mehreren Sprachen und finden bis heute Leser unter vielen orthodoxen Gläubigen, Seminaristen und Wissenschaftlern.

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Zu erwähnen sind beispielsweise folgende drei Bücher: „Predigt im orthodoxen Russland. Untersuchungen zu Inhalt und Eigenart der russischen Predigt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ (1972), „Die Deutung der Göttlichen Liturgie in der russischen Theologie. Wege und Wandlungen russischer Liturgie-Auslegung“ (1984) „Einführung in die orthodoxe Theologie der Gegenwart“ (1990, 2010, 2014).

Den Forschungsschwerpunkt meiner Lizentiatsarbeit bildet das theologische Erbe Prof. Felmys, welches ich kritisch analysieren und systematisch darlegen möchte. Die Leitfrage liegt darin aufzuzeigen, inwiefern seine Ansätze originell sind: An welchen Stellen hinterlässt beispielsweise sein protestantischer Hintergrund sichtbare Spuren in seinem theologischen Denken? Womöglich wirft er selbst durch seinen Hintergrund innerhalb der orthodoxen Theologie neue Fragen auf.

Um das theologische Denken von Prof. Felmy zu analysieren, gehe ich nur sehr kurz auf sein Leben ein, etwas ausführlicher aber auf die theologischen Ansätze, besonders der sogenannten Akademietheologie, die sein Denken stark geprägt haben. Erste Einblicke zeigen, dass sich sein Liturgieverständnis, seine Mariologie und seine Eschatologie als besonders interessant erweisen.

Magisterarbeiten

V. Dutka
Das Serbische Patriarchat von Peć: Entstehung, Etablierung und weitere Entwicklung unter osmanischer Herrschaft

Volodymyr Dutka, Ukraine, Griechisch-katholische Eparchie Sankt Nikolaus Ruski Krstur in Serbien

Die Aufgabe dieser Magisterarbeit besteht darin, die historischen Ereignisse um die Entstehung und Etablierung des serbischen Patriarchats von Peć darzustellen. Darüber hinaus wird ein Versuch unternommen, die Beziehungen zwischen der Serbischen Orthodoxen Kirche und dem Osmanischen Reich zu beschreiben.

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Der Versuch der serbischen Kirche, Unabhängigkeit zu erlangen, begann schon am Ende des 12. Jahrhunderts. In Serbien, das zu dieser Zeit ein Königreich war, verständigte sich König Stefan der Erstgekrönte mit seinem Bruder Sava (Rastko) über die Gründung einer unabhängigen Kirche im Königreich. So gelang es mithilfe der Nemanjiden-Dynastie und insbesondere Savas, des Sohnes des Großžupan Stefan Nemanja, im Jahr 1219 in Nikäa für die serbische Kirche die Autokephalie zu erlangen. Im gleichen Jahr wurde Sava zum Bischof geweiht und hat begonnen, die serbische Kirche strukturell zu gestalten. Somit wurde auch ein Fundament für die spätere Erhöhung zum Patriarchat gelegt.

In der Folgeperiode prosperierte der serbische Staat und entwickelte sehr intensiv, sodass sich schließlich König Dušan im 14. Jahrhundert darum bemühte, die Zarenwürde zu erlangen. Im Jahr 1346 wurde zunächst Bischof Joanikije II. zum Patriarchen geweiht, um seinerseits einige Jahre später Stefan Dušan zum Zaren zu krönen. Diese Verbindung von Kirche und Staat, die damals konstitutiv und charakteristisch war, half in späterer Zeit unter osmanischer Herrschaft, eine serbische nationale Identität zu bewahren. Sie durchzieht im Letzten die gesamte serbische Kirchengeschichte.