Peter Kurz will im Frühjahr 2027 sein Staatsexamen ablegen und anschließend Deutsch und Ethik am Gymnasium unterrichten. Zu Beginn seines Studiums hatte er sich zunächst für Ethik als Erweiterungsfach entschieden. „Aber Ethik ist nicht nur ein Ersatzfach für den Religionsunterricht,“ erklärt er seine Entscheidung, ins Hauptfach zu wechseln. „Ethik ist das Fach, in dem man sich am meisten weiterentwickeln kann – sowohl auf persönlicher wie auch auf sozialer Ebene. Für mich ist es ein Kernfach der schulischen Bildung im Sinne der Persönlichkeitsbildung.“ Wichtig sei aber, so ergänzt Kurz, „dass die Schülerinnen und Schüler diese Chance nutzen wollen“. Und hier sieht er seine Verantwortung und seine Chance als Lehrer. Kurz ließ sich auch von seiner eigenen Erfahrung während seiner Schulzeit leiten. „Ethik war – neben Theater – mein liebstes Schulfach, das mich am meisten abgeholt hat und den größten Lebensbezug hat. Diese Erfahrung will ich weitergeben.“ Er nutzt das Wissen, das er im Studium erworben hat, bereits seit drei Schuljahren als Vertretungslehrer für Ethik an der Realschule. Im Schnitt gibt er hier vier Unterrichtsstunden in der Woche und konnte feststellen, dass er im Unterricht ganz konkret auf Wissen aus dem Studium zurückgreifen kann. Dabei kommt es ihm zugute, dass das Ethik-Studium an der KU die Gelegenheit bietet, in kleinen Gruppen und im engen Kontakt mit Kommilitonen und Dozierenden zu diskutieren, andere Perspektiven kennenzulernen und so selbst auszuprobieren, was er in Zukunft seinen Schülerinnen und Schülern vermitteln will.
Die praktische Philosophie umfasst sowohl die Auseinandersetzung mit klassischen ethischen Theorien als auch mit konkreten gesellschaftlichen Problemlagen. In der angewandten Ethik werden Fragen aktueller Debatten rund um Themen wie Umwelt, Medien und Verantwortung verhandelt. Zugleich eröffnet das Studium Einblicke in die theoretische Philosophie: etwa in Fragen nach den Bedingungen von Erkenntnis, dem Verhältnis von Geist und Welt oder den Grundlagen wissenschaftlichen Wissens – Themen, die auch für ethische Urteilsbildung eine wichtige Rolle spielen. Gerade die Verbindung aus fachlicher Breite und individueller Schwerpunktsetzung schätzt Kurz am Studium in Eichstätt: „Das Angebot ist hier sehr flexibel – wir haben die Möglichkeit drei Klassiker der Ethik frei zu wählen.“ Dabei hat Kurz semesterübergreifend gegenseitige Unterstützung erfahren, denn der Austausch zwischen den Semestern und zwischen Studierenden mit sehr unterschiedlichem Wissenstand ermöglicht es, neue Perspektiven in die Diskussionen aufzunehmen. Davon profitieren alle Seiten – und im Endeffekt auch die Schülerinnen und Schüler.
Auch Max Jäger hat sich für Ethik als Hauptfach entschieden – und auch bei ihm war es nicht die erste Wahl. Ursprünglich wollte er seinen Bachelor parallel zum Lehramtstudium durch den interdisziplinären Bachelorstudiengang absolvieren und hatte sich aus rein persönlichem Interesse für Philosophie als eines von drei Fächern entschieden. „Ich wollte so viel wie möglich zu den verschiedensten grundlegenden Fragen unserer Gesellschaft erfahren.“ Sein Interesse galt vor allem der politischen Philosophie und den Fragen „Was macht eine politische Gemeinschaft aus? Was ist Gerechtigkeit? Was ist die Aufgabe des Menschen in dieser Gemeinschaft?“ Eher zufällig ergab sich für ihn die Möglichkeit, die bereits absolvierten Module für Ethik auf Lehramt zu nutzen. Für Jäger war das Studium der Ethik auf Lehramt dadurch sehr flexibel möglich. „Das heißt aber auch, dass ich ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit für meine Studieninhalte mitbringen muss. Denn für den Schulunterricht ergibt es Sinn, sich inhaltlich möglichst breit aufzustellen“, betont Jäger und erklärt zugleich, dass dies für ihn den Reiz des Studiums ausmacht. „In den Klassikermodulen sind wir meist kleine Gruppen mit zehn bis 15 Personen. Hier sind jederzeit Nachfragen oder auch Diskussionen möglich und so lernt man wirklich was. An der KU kann man als Student nicht in der Masse verschwinden.“ Eine Erfahrung, die er in seinen Unterricht mitnehmen will, denn auch dort sieht er das größte Potential in der Möglichkeit neu erworbenes Wissen direkt anzuwenden und in Diskussionen einzubringen.
Aktuell ist für Jäger noch offen, wie es nach dem Staatsexamen weitergeht. „Ich könnte mir vorstellen zu promovieren – am liebsten über John Rawls und zur Kritik am politischen Liberalismus.“ Aber auch die Möglichkeit direkt ins Referendariat zu gehen, reizt ihn. „Ich möchte zeigen, dass Ethik kein langweiliges Nebenfach ist, sondern will das Interesse der Schülerinnen und Schüler wecken.“ Als mobile Reserve in der Mittelschule konnte er schon praktische Erfahrungen sammeln und hat erlebt, wie wichtig es ist, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Lebensrealität abzuholen. Gerade in den Diskussionen rund um die letzte Bundestagswahl hat er erlebt, wie groß das Interesse war und wie wichtig die Möglichkeit ist, die eigene Meinung zu äußern.
Für Jäger ist eine wichtige Erkenntnis seines Philosophiestudiums, die er auch in den Ethikunterricht mitnehmen will, dass das intensive Auseinandersetzen mit philosophischen Fragen nicht dazu führt, dass sich Fragen klären oder lösen lassen. „Ich glaube es ist naiv nach Antworten zu suchen, stattdessen wächst die Unsicherheit und damit aber auch die Reflexionsfähigkeit. Statt Antworten finde ich immer neue Fragen, das ist das spannenden an der Philosophie und das will ich im Ethikunterricht vermitteln.“
Das Studium von Ethik als Unterrichtsfach im Realschullehramt ist in Verbindung mit den Fächern Mathematik oder Englisch und im Gymnasiallehramt mit Deutsch, Mathematik, Englisch und Latein möglich. Der Studiengang ist zulassungsfrei. Interessierte können sich zwischen dem 11. August und dem 2. Oktober 2026 für das Wintersemester 2026/2027 einschreiben. Weitere Informationen: https://www.ku.de/studienangebot/ethik-lehramt