Veranstaltungstermine

Post- und dekoloniale Perspektiven auf Religion, Literatur und Film

Forschungsseminar in Kooperation mit dem ZRKG

In den geopolitischen Umbrüchen der Gegenwart scheinen mehrere gegenläufige Prozesse zugleich abzulaufen: Einerseits gibt es einen Prozess der politischen und epistemischen Dekolonialisierung, der sich in den Theoriedebatten der Geistes- und Kulturwissenschaften spiegelt; andererseits bestehen neokoloniale Strukturen fort, in denen in verdeckter aber mächtiger Weise koloniale Ausbeutungs-, Ausgrenzungs- und Herrschaftsverhältnisse fortgeführt werden; schließlich scheint es einen neuen Umschlag in einen nekropolitischen Kolonialismus und Imperialismus zu geben, der in Vernichtungsszenarien wie Gaza und Libanon zum Ausdruck kommt. Das Seminar öffnet einen Raum für die Auseinandersetzung mit diesen strittigen Debatten. Literatur- und Kulturwissenschaft, Theologie und Philosophie nehmen einen zentralen Ort in diesen Diskussionen ein, ebenso wie ihre Gegenstände: Kunst, Literatur und Film; Religion, Spiritualität und biblische Motive.

Die Erkenntnis, dass das Erbe des Kolonialismus bis heute Krieg, Hunger, Armut und Ausbeutung schafft und internationale Flüchtlingsbewegungen auslöst, führt zu einem Infragestellen vorhandener Wissensordnungen und Machtverhältnisse und zum Ruf nach neuen, gerechteren und ganzheitlicheren Sicht- und Handlungsweisen. Mit den entsprechenden post- und dekolonialen Perspektiven auf Religion, Literatur und Film setzt sich das Seminar auseinander. Wir diskutieren anhand von Theorien von Gayatri Chakravorti Spivak, Linda Tuhiwai Smith, Miranda Fricker, Walter D. Mignolo, Aníbal Quijano und Boaventura de Sousa Santos wie Subalterne ihre Stimme erheben können, wie postkoloniale Epistemologien aussehen könnten und was das für die akademische Praxis bedeutet.

Postkoloniale Kritik bestehender Verhältnisse und Ansätze für Utopien nationaler und globaler Gerechtigkeit bieten literarische Texte von Sharon Dodua Otoo und Anne Weber, Filme von Milo Rau und Ladj Ly über neokoloniale Verbrechen und ihre Aufarbeitung im Kongo sowie über soziale Brennpunkte und koloniale Erinnerungsorte in den Vororten von Paris.

Mit der jüdisch-mexikanischen dekolonialen Philosophin Silvana Rabinovich werden wir nach einer Dekolonialisierung biblischer Texte angesichts von Gaza fragen. Mit der Virgen de Guadalupe nehmen wir eine religiöse Tradition in den Blick, die wir kaum eine andere für die Befreiung und Ermächtigung in Abya Yala/Lateinamerika steht und die wie ein Vexierbild in katholischer wie indigener Tradition gelesen werden kann. Darüber kommt auch die Frage nach dem Ort des Religiösen in der politischen Öffentlichkeit neu in den Blick. 

Termine:
15.10.2026, 14.30-16 Uhr, Raum KG A 303: Einführung
29.10.2026, 14.30-16 Uhr, Raum KG A 303: Postkoloniale Theorie
05.11.2026, 14.30-16 Uhr, Raum KG A 303: Dekoloniales Denken und „Epistemologien des Südens“
Block 1: 18.11.2026, 14-18 Uhr, Raum KG A 206: Postkoloniale Literatur
Block 2: 25.11.2026, 14-18 Uhr, Raum KG A 206: Decolonizing the Bible, Theology after Gaza: Gastvortrag und Workshop mit Silvana Rabinovich
Block 3: 11.12.2026, 12-16 Uhr, Raum KG A 107: Postkolonialer Film
Block 4: 22.01.2027, 14-18 Uhr, Raum KG A 107: Die Virgen de Guadalupe und die öffentliche Rolle der Religion in dekolonialer Perspektive: Gastvortrag von Juan Manuel Contreras (Ciudad de Mexico); Projektvorstellung Eduard Quitián
28.01.2026, 14.30-16 Uhr, Raum KG A 303: Schlusssitzung

Organisation: Prof. Dr. Martin Kirschner
                         Prof. Dr. Isabelle Stauffer

Anmeldung per Mail an: zrkg(at)ku.de