Verkehrsinfrastruktur in Rätien

Die Straßen und Wege werden häufig als Rückgrat der römischen Kontrolle über die Provinzen beschrieben. Das gilt auch für die Provinz Rätien und das römische Bayern. Es überrascht daher nicht, dass viele Überblickswerke Straßentrassen verzeichnen, die die wichtigsten Orte miteinander verbinden. Die Rekonstruktion dieser Trassen ist allerdings nicht immer gesichert. Grabungen können Abschnitte nur punktuell bestätigen und ältere Rekonstruktionen werden nur selten an neue Erkenntnisse angeglichen. Im Rahmen des Projekts sollen neue Ergebnisse von Denkmalfachbehörden, archäologischen Vereinen und Grabungsfirmen gesammelt und mit Geländemodellen aus Laserscandaten und historischen Karten in Beziehung gesetzt werden, um ein neues Bild des Verkehrssystems des römischen Bayerns zu gewinnen. 

Innerhalb von Atrium bestehen zu diesen Fragen bereits einige Vorüberlegungen:

Alte Geschichte: Die römische Straßenforschung sowie Antike Geographie sind beides Schwerpunkte des Lehrstuhls.

Klassische Archäologie: Nadin Burkhardt hat bei Wettstetten und Steppberg zwei Lehrgrabungen an Römerstraßen durchgeführt.

Zum Thema römische Verkehrswege in Bayern fanden außerdem bereits zwei Workshops statt.

Auf einem Blick

Projektbeschreibung

Drohnenbefliegung an einer Altstraße in Italien.

Kartierungen von römischen Straßen sind in den Altertumswissenschaften weit verbreitet. Was eine Trasse als römisch ausweist, ist dabei oft weniger eindeutig, als diese zunächst vermuten lassen. Im Bereich der Geleisstraßen in den Alpen hat die Schweizer Altstraßenforschung beispielsweise gezeigt, dass sichtbare Geleisspuren häufig mittelalterlich oder neuzeitlich sind und dass die Zuordnung „römisch" vielfach allein auf Maßen beruht, die sich nicht sicher datieren lassen.
Das Projekt setzt bei diesen Belegen an. Neue Ergebnisse von Denkmalfachbehörden, historischen Vereinen und Grabungsfirmen werden gesammelt und mit Geländemodellen aus Laserscandaten, Luftbildern und historischen Karten in Beziehung gesetzt. Gefragt wird jeweils, was eine einzelne Beobachtung trägt. Ein ergrabener Straßenkörper, ein Hohlweg, ein Meilenstein, eine Brücke, ein Flurname und eine Linie auf einer Altkarte lassen unterschiedliche Rückschlüsse auf eine Trasse zu.
Straßeninfrastruktur. Neben dem Straßenkörper selbst kommt die Infrastruktur in den Blick, die zu einer Trasse gehört. Dazu zählen Brücken und Furten, Meilensteine und Ansiedlungen. Eine Sonderstellung nehmen Gräberfelder ein, die in römischer Zeit häufig an den Ausfallstraßen der Siedlungen liegen und deshalb als Anzeiger für eine nahe Trasse gelten.
Wasserwege. Ein Verkehrssystem besteht nicht nur aus Straßen. Flüsse bildeten neben den Meeren das Rückgrat des Warentransports. Erst die kombinierte Betrachtung beider Systeme erlaubt Aussagen darüber. Ihr Verlauf hat sich seit der Antike stark verändert, Altarme und kleine Bäche sind teilweise ganz verschwunden. Historische Karten wie die Urpositionsblätter und das bayerische Urkataster zeigen die Gewässer vor der Flussregulierung des 19. Jahrhunderts und sind damit der Ausgangspunkt für die Rekonstruktion älterer Verläufe.

Fragestellung

  • Wie lässt sich das Verkehrssystem des römischen Bayerns auf Grundlage aktueller Daten neu erfassen?
  • Ist es möglich, Aussagen zur Entwicklung von Trassen zu treffen?
  • Welche Wege neben den Hauptverkehrsstraßen sind noch plausibel zu rekonstruieren?
  • Welche Belege tragen eine Trassenrekonstruktion und welche nicht?

Material

  • Neue Grabungs- und Fundergebnisse von Denkmalfachbehörden, historischen Vereinen und Grabungsfirmen
  • Digitale Geländemodelle aus Laserscandaten (LiDAR) und Luftbilder
  • Historische Karten, darunter die Urpositionsblätter und das bayerische Urkataster
  • Straßeninfrastruktur wie Brücken, Furten, Meilensteine, Ansiedlungen

Ziele

  • Zusammenführung der verstreuten neuen Ergebnisse zu einem konsistenten Gesamtbild
  • Abgleich der Trassen mit Geländemodellen und historischen Karten
  • Gewinnung eines aktualisierten Bildes des römischen Verkehrssystems in Bayern

Personen

Christian Beck
Dr. Christian Beck
Straßenforschungsprojekt Atrium
Nadin Burkhardt
Prof. Dr. Nadin Burkhardt
Professur für Klassische Archäologie
Adrian Karmann
Adrian Karmann M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Kooperationspartner